Über volkstümliche Irrtümer in Bezug auf Assistenzärzte (1)

4 11 2007

Da ich mir gerade über meine eigene Vorstellung meines Berufs und der von Angehörigen meiner Patienten und der Patienten selbst Gedanken mache, hier der Versuch dessen, was ich nicht sein möchte, wofür ich aber in einigen Fällen gehalten werde:

Assistenzärzte sind nicht

  • Menschen, an denen man seine schlechte Laune und seinen Frust hemmungslos auslassen kann
  • Marionetten, die auf Wunsch alles stehen, liegen, fallen lassen können, um mit Angehörigen zu sprechen - unsere vorrangige Aufgabe ist Behandlung von Patienten
  • überbezahlte Faulenzer, sondern Menschen, denen ihre Patienten im Idealfall am Herz liegen und die für ihre Patienten die idealen Vorraussetzungen zu Diagnostik und Therapie schaffen wollen
  • Menschen, die Diagnostik und Therapie festlegen können und die Verantwortung für Patientenentscheidungen übernehmen - im Zeitalter des informierten Patienten muß dieser die Verantwortung nach adäquater Aufklärung selbst tragen - wir beraten.

Damit wir uns nicht falsch verstehen - speziell mit mir dürfen meine Patienten gerne kontrovers diskutieren, aber auf Dauer Abputzer für anderer Leute schlechte Laune möchte ich nicht sein.




Jetzt reicht´s!

31 10 2007

Mit besonderer Freude habe ich heute meine Registrierung in der britischen Ärztekammer erneuert, denn die Arbeitsbedingungen und Erwartungshaltungen an die Abputzer des Gesundheitssystems haben ein Ausmaß erreicht, das die Auswanderung ins europäische Ausland verlangt. Aufgrund meiner Englischkenntnisse und bereits seit der Approbation bestehenden Mitgliedschaft in der britischen Ärztekammer wird das in meinem Fall Großbritannien sein. Es lebe die europäische Freizügigkeit! Ich werde so schnell wie möglich meinen Facharzt machen, um dann zu verschwinden.

Das Ausmaß der Unverschämtheiten im Notdienst nimmt nicht ab, sondern zu. Natürlich ist der Notdienst wie auch der Klinikdienst in Relation zur geleisteten Arbeit schlecht bezahlt. Die Erwartungshaltung der Patienten ist ungeheuerlich. Für einen Harnwegsinfekt, der seit 3 Tagen besteht, wird nachts (um 3 Uhr morgens präziser gesagt) ein Arzt angerufen.

Die Patienten werden in wenigen Jahren sehen, wie sie versorgt sind: von ausländischen Ärzten, die man ausnutzen wird und deren Sprachkenntnisse oft direkt proportional zu ihren Fachkenntnissen sind. Deren Anzahl wird im Gegensatz zur Zahl derjeniger ausländischen Ärzten mit gutem medizinischem Niveau, von denen ich nicht wenige kenne und von denen ich viel gelernt habe, zunehmen. Auf einer der Stationen meiner neuen Stelle wurde ich freudig mit den Worten “Ah, mal jemand, der der deutschen Sprache mächtig ist!” begrüßt - und das in einem mittelgroßen Krankenhaus.

Man weiß auf oberer Ebene durchaus, daß die Arbeitsbedingungen selbst den größten und zähesten Idealisten vergraulen können:

“Mehr als jede zweite Klinik in Ostdeutschland könne offene Arztstellen nicht besetzen, im Westen seien es 24 Prozent. Hoppe: «Zu wenige sind bereit, sich dauerhaft in die Patientenversorgung zu begeben.» Der Arztberuf mache einfach «keinen Spaß» mehr.

Die Ärztefunktionäre machten vergleichsweise schlechte Arbeitsbedingungen, schlechte Bezahlung und hohe Belastungen für die Missstände verantwortlich. Hoppe sprach von unbezahlten Überstunden im Wert von 1,2 Milliarden Euro. Köhler sagte: «Deutsche Ärzte arbeiten in der Woche im Durchschnitt 50,6 Stunden» - zehn Stunden mehr als andere EU-Spitzenreiter. Dazu komme, dass «die Hierarchien im Krankenhaus stärker ausgebildet sind als im Militär».”

Und nicht nur das - bei den oben genannten Arbeitsbedingungen fresse ich auch noch die Launen von unverschämten Angehörigen! Leute, was glaubt Ihr eigentlich, mit wem ihr es zu tun habt? Mit mir macht ihr das nicht mehr lange!

Alles, was ich wollte, war ein einigermaßen höflicher Umgangston. Aber das war scheinbar zu viel verlangt.

Wenn mein Zorn wieder abgekühlt ist, werde ich berichten, was mich derart auf die Palme getrieben hat.

Weiterführende Links:




Eine Chefvisite der anderen Art

28 10 2007

DocChefSmart: “Wie geht es Ihnen den heute?”

Patient O.Berclever : “Gar nicht gut, ich habe solche Schmerzen im Knie!”

DocSmart:”Aber bei der Visite vor 20 Minuten ging es Ihnen doch gut - Jedenfalls haben Sie das auf Nachfrage gesagt..”

DocChefSmart:“Ja ja, das machen die Patienten so, immer wenn der Chef kommt, müssen sie für den eine neue Beschwerde haben - aber keine Sorge, ich war ja auch mal Assistenzarzt, ich weiß das schon!”

Patient O.Berclever: “Na ja, so schlimm sind die Schmerzen auch nicht, nur ein bißchen..”




Paradoxa

25 10 2007

Nachdem ich begonnen habe, die Erwartungshaltungen mancher Menschen mit einer Prise Sarkasmus deutlich zu machen, kann ich heute vom anderen Ende der Unmöglichkeiten (im Wortsinn)/dem Unvermögen der modernen Medizin berichten.

Diesen Tag sollte ich rot im Kalender anstreichen:

Ich habe einen Patienten entlassen, der über Wochen täglich mehrere Dinge auszusetzen und/oder neu zu beklagen fand. Es hat mich eiserne Disziplin gekostet, die oft wechselnden Beschwerden zu hören und gegen den modernen Trend der schnellen Entlassungen und Kürzungen bei Aufenthalten abzuklären.

Er ging mit einem strahlenden Lächeln. Ich konnte nicht viel für ihn tun, im Gegenteil, ich mußte ihm sagen, dass er wahrscheinlich eine bösartige Erkrankung hat, ich aber in verantwortlicher Weise keine weitere Diagnostik betreiben kann, da schon die ihn gefährden würde. Auch seine (nahezu unzähligen aber realen) Zipperlein kann ich nicht heilen. Er hat sich bedankt, für all das, was ich für ihn getan habe - viel war es nicht. Durch eine Vielzahl an Untersuchungen habe ich ihn geschickt, zwischenzeitlich Talfahrten mit ihm erlebt. Vielleicht war es die Ehrlichkeit, mit der ich ihn und seine Familie über all die fehlenden therapeutischen Möglichkeiten aufgeklärt habe.




Über volkstümliche Irrtümer in Bezug auf moderne Medizin (1)

20 10 2007

Da es manchmal Mißverständnisse über Einweisungsgründe und Erwartungshaltungen mancher Angehörigen gibt, sei hier ein paar der häufigeren ausdrücklich wiedersprochen.

Wenn man Angehörige befragt, weswegen sie einen Patienten ins Krankenhaus bringen oder gar einweisen lassen, hört man oft Dinge wie

- “Der muss doch Infusionen kriegen!”

“Weswegen denn?”

- “Der war doch so schwach in letzter Zeit!”

  • Infusionen sind entgegen dem scheinbar landläufigen Glauben kein Allheilmittel. Im Gegenteil, für einen herzkranken Menschen können sie u.U. schädlich sein. Ein Patient kann eine Braunüleninfektion davon tragen. Bevor man also Infusionen anordnet muß man Diagnostik betreiben.
  • Alte Menschen ziehen sich in Krankenhäusern nicht selten Lungenentzündungen zu.

Außerdem gilt:

  • Krankenhäuser sind keine Kuranstalten.
  • Krankenhäuser sind keine Jungbrunnen
  • In Krankenhäusern befinden sich manchmal wirklich kranke Patienten: darüber zu jammern, daß man selbst oder ein Verwandter neben einer vor Schmerzen stöhnenden alten Dame liegt, ist geschmacklos
  • Alkohol- und Drogenabhängigkeiten werden nicht in Kuranstalten therapiert
  • Einen Rausch im Krankenhaus auszuschlafen ist eher peinlich: wer sich schon besäuft, möge das bitte so tun, daß er sein eigenes Bett noch erreichen kann
  • Für einen Kater nach einem Rausch gibt es von vernünftigen Doktors keine Schmerzmedikamente!

Fortsetzung folgt…




Von höflichen und unhöflichen Menschen

14 10 2007

…wissen Ärzte ein Lied zu singen, die hausärztliche Notdienste tun. Gedacht ist dieser für Notfälle, die nicht bis zum nächsten Tag bzw. den nächsten Öffnungszeiten der Praxen warten können. Was man so zu hören bekommt, wenn man einen solchen Notdienst macht, ist schon erstaunlich. Hier ein paar Beispiele:

“Fr. Dr., mir geht es soo schlecht, ich habe eine schwere Erkältung!” 

 - “Kommen Sie bitte um 15 Uhr in die Praxis, vorher bin ich auf Hausbesuch”

“Was?! So lange kann ich nicht warten!”

 - “Wie lange haben Sie denn die Erkältung schon?”

“Drei Tage!”

 - Warum sind Sie nicht zu Ihrem Hausarzt?

“Sie wollen ja bloß nicht zu mir kommen!” 

Ich gehe mit solchen Erkältungen noch arbeiten. Das habe ich in dem Fall nicht gesagt. Und es war nur eine von unzähligen Unverschämtheiten. Lange mache ich solche Dienste nicht mehr. Wenigstens einen freundlichen Ton könnten sich solche Herrschaften angewöhnen.

Man wird sich in Deutschland noch wundern, wenn der Notdienst und auch die Krankenhäuser in den Händen im Ausland schlecht ausgebildeter Ärzte ist, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind - was vielerorts ja schon der Fall ist.

Ah, und die Patienten mit den schwersten Erkrankungen waren in diesem Dienst die höflichsten. Da stehe ich dann gerne auf.




Ein “Umzug” der anderen Art

30 09 2007

Da ich ja nun schon lange am selben Ort sesshaft bin (ok, lange für meine Verhältnisse), wage ich mich nun beruflich in ein neues Territorium - ich habe die Stelle gewechselt. Scheinbar ist das Verweilen an nur einem Ort nicht so meine Sache - ich habe diesen Tapetenwechsel aus vielerlei Gründen gebraucht. Nicht daß ich glaube, künftig im Garten Eden zu arbeiten, mir reichte es schon, andere Menschen kennenzulernen, eine andere Umgebung zu sehen. Doch auch der Abschied ist mir nicht leicht gefallen - man ist doch verwurzelt durch die Freunde, die man gefunden hat.




Synagogentour - der Start

23 09 2007

wir haben Yom Kippur also in einer anderen kleinen Gemeinde in Deutschland verbracht - es war eine Erfahrung der anderen Art. Fasten war trotz Vorbereitung (bestehend aus ausreichend Essen und Trinken vorher) schwierig. Obwohl der Dialekt des Vorbeters chassidisch war (mit aschkenasischer Aussprache komme ich mittlerweile ja zurecht) konnte ich gut folgen (ok, ich hatte mein eigenes Artscroll Machzor dabei).

Schade war, daß es nicht einmal für Gemeindemitglieder ausreichend Machzorim (spezielle Gebetbücher für Feiertage, hier YK) gab - weder auf  Russisch/Hebräisch noch Hebräisch/Deutsch.

Toll war die Architektur der Synagoge (und ich habe diesmal nicht gefroren, wie “daheim”).

Nett und für viele Gemeinden ungewöhnlich war die Einladung zum Kiddush (bzw. Hawdalah) und Fastenbrechen.




Vorbereitungen…

18 09 2007

…während ich noch überlege, in welcher Synagoge ich Yom Kippur verbringe, habe ich Sukkot im Hinterkopf…beim Surfen habe ich dies hier gefunden:

Die demonstrierten Arten des Schüttelns kenne ich ja so nicht…




Wiederbelebungsversuche eines Computerlaien

17 09 2007

…an einem Computer.

Ich gehöre zu den Menschen, die alte Dinge ungern wegwerfen. Das kam mir schon oft zugute - so auch bei meinem Uralt Pc mit Uralt-Betriebssystem. Heute wollte ich Daten aus einem Programm ausdrucken, das nur auf diesem PC läuft.

Er fuhr nicht hoch, sondern piepte. Zuerst habe ich den Experten angerufen. “Mh, ja, mh, das liegt vielleicht an der Stromversorgung.” Stecker hatte ich überprüft, Steckdosen ausprobiert. Half nicht. Piepte weiter. “Dann bauen sie doch einfach die Festplatte in einen anderen PC!” - Das habe ich vor Jahren einmal gemacht, es hat mich einen kompletten Tag Arbeit gekostet (und am Ende mußte ich den PC zum Fachmann bringen). In letzter Verzweiflung habe ich dann 3 Mal fest auf das Gehäuse gehauen - und er ging wieder! CPR am PC - aber bitte nicht nachmachen!

Bei meinem neueren Modell hätte ich mir das verkniffen!