Die Galle vom 3. Stock

…ist immer noch die gängige Bezeichnung beim Abruf von Patienten zur OP (und bei sonstigen Diskussionen etc.). Auf der Suche nach einem nicht mehr aktiven Blog bin ich auf diese leicht entsetzte Feststellung gestoßen. Es stimmt – und klingt eher unpersönlich, wird aber durchaus liebevoll – und spezifisch – gebraucht. Denn wehe man bringt die „falsche Galle“ (es gibt ja durchaus mehrere an einem Tag), dann kann der Anästhesist, der „die Galle“ abgerufen hat, durchaus ungehalten werden. Das bringt dann oft den Hinweis ein, dass „die Gallen“ und „die Strumas“ auch Namen haben.
Wir mögen unsere „Gallen“, „Lungenembolien“ und „Infarkte“.

Briefe, Briefe, Briefe

mein Stapel zu diktierender Briefe wächst trotz rezidivierend auftretender Diktiertätigkeit, aber ich komme mir immer mehr wie Sisyphos vor. Kaum habe ich meinen Schreibtisch soweit „leer“ diktiert, kommt der nächste Dienst und wieder findet sich ein Stapel Akten auf meinem vorher ansehbarem Arbeitsplatz (von Patienten, die auf eigene Verantwortung das Krankenhaus verlassen haben und deren Briefe ich dann zu diktieren habe).

Die Arbeit auf der Intensivstation macht großen Spass – um so mehr, je länger ich da bin, aber das ist schon ein anderes Arbeitspensum als auf der „normalen“ Station. Und dann gibt es da noch die Notarzteinsätze, die ich gerne mitmachen würde – das geht aber nur bei nichtexistentem Briefstapel. Vor meinem Urlaub werde ich wohl oder übel noch mal in die Diktierstube müssen.

Verwaltungstätigkeiten wollte ich eigentlich nie ausüben.

Vollmond

VollmondVollmondhabe ich vor meiner Tätigkeit im Krankenhaus nicht so ernst genommen. Das hat sich jedoch schlagartig geändert, als ich anfing, Dienste zu machen. An den Tagen vor Vollmond spielen alle verrückt: Pflege, Ärzte und nicht zuletzt Patienten.

Vergangene Nacht – an Vollmond selbst also – hatte ich nicht viele Zugänge, aber dennoch

Vollmond

viel Arbeit. Ich habe mich schon gefragt, wie ich es immer anstelle, abartige Dienste zu haben, aber wenn man sich schon selbst den Dienst am Vollmond einbrockt, was will man da erwarten!

Nächsten Monat mache ich an Vollmond sicher keinen Dienst !

http://www.vollmond.info/de/vollmond-kalender.html

You can fool some of the people all of the time

and all of the people some of the time but you can´t fool all of the people all of the time:

Human Rights Watch hat es unter Beweis gestellt:

(New York, August 5, 2006) – Hezbollah must immediately stop firing rockets into civilian areas in Israel, Human Rights Watch said today. Entering the fourth week of attacks, such  rockets have claimed 30 civilian lives, including six children, and wounded hundreds more.

“Lobbing rockets blindly into civilian areas is without doubt a war crime,” said Kenneth Roth, executive director of Human Rights Watch. ”Nothing can justify this assault on the most fundamental standards for sparing civilians the hazards of war.”
http://www.hrw.org/english/docs/2006/08/05/lebano13921.htm

In eben jenem Beitrag wird Israel unterstellt, nicht ausreichend zwischen Zivilisten und Kombatanten zu unterscheiden. Die Hizbollah bemueht sich erst gar nicht darum.

Interessant auch der folgende Beitrag:

http://www.hrw.org/english/docs/2006/07/18/lebano13760.htm

(Die Links muessen per copy und paste in die Browserzeile gebracht werden, das Verlinken funktioniert im Moment nicht).

Fakten zum militärischen Konflikt mit der Hizbollah

UN Security Council: Israel´s Withdrawal from Lebanon (June 19, 2000)
[…] The Security Council, recalling resolution 425 (1978) and resolution 426 (1978) of March 1978, calls on the Government of Lebanon to ensure the return of its effective authority and presence in the South. The Council notes that that the United nations cannot assume law and order functions which are properly the responsibility of the Government of Lebanon.

Quelle:

http://www.usembassy-israel.org.il/publish/peace/archives/2000/june/me0619b.html

Mythen – selten hinterfragt

Es ist schon merkwürdig, wie leicht sich die vermeintlich so selbstbewußte und kritische Öffentlichkeit von den durch die Hizbollah beeinflußten Mediendarstellungen blenden laesst.

Die Hizbollah ist nicht rein eine Miliz im Süden des Libanon, sie ist im Kabinett der libanesischen Regierung mit 2 Sitzen vertreten. Dass die libanesische Regierung unschuldig sei am Handeln der Hizbollah kann man also so nicht sagen.

Die von der Hizbollah angegriffenen Ziele sind durchweg rein zivil: Schulen, Wohngebiete und was ein ziviles Leben noch so zu bieten hat. Die israelische Armee greift zivile Gebiete nie ohne Vorwarnungen auf arabisch an – aber das interessiert ja niemanden. Es ist viel einfacher und bequemer auf der „pazifistischen“ Welle mizureiten, die die libanesische Bevölkerung ohne die Hizbollah darstellt, die sie als Schutzschilder mißbraucht. Letzteres stellt ein Kriegsverbrechen dar – aber auch das scheint ein unwesentliches Detail.

Ich habe noch kein offizielles Bild aus dem Libanon gesehen, auf dem auch nur ein einziger Kaempfer dargestellt war. Das wundert aber auch die wenigsten.
Um den Fortbestand der Ignoranz muß man sich keine Gedanken machen.

Unleidlich

sind Patienten manchmal auch dann, wenn man eines ihrer Probleme löst. So zu Beispiel ein Patient, der an einer bösartigen Erkrankung leidet und aufgrund einer der Nebenwirkungen der Opiattherapie aufgenommen wurde. Nachdem ich der abgeholfen hatte, tritt jetzt Nr. 2 in den Vordergrund. Eigentlich spürt man jedoch den gewaltigen Ärger und die Verzweiflung, die hinter der ungehaltenen Art stehen.

Da kann ich ihm nicht helfen.