Philosemiten

Neben den allfälligen Antisemiten sind auch Philosemiten wieder hoch im Kurs – man kann ihnen kaum entgehen, wenigstens nicht wenn man Blogs zu jüdischen oder israelischen Themen verfolgt. Unerträglich diese schleimig positiven Kommentare, denen man den Philosemiten von einigen Kilometern Entfernung anmerken kann. Schlimmer noch sind ihre meist übertrieben israelfreundlichen Kommentare in Diskussionsgruppen, an denen man teilnimmt und ihnen nicht aus dem Weg gehen kann.

Ja ja, übertrieben israelfreundlich. Es gibt genügend sachliche Argumente, mit denen man für Israel in einer Diskussion eintreten kann. Dazu braucht es keinen Philosemitismus.
Da ist mir eine sachlich fundierte Diskussion aus erhlicher, nicht antisemitischer Motivation heraus wesentlich lieber. Sie bietet eine Basis der Verständigung. Klitschige Philosemiten kann man nicht fassen, sie rutschen auf… na lassen wir das.

Was ich mir nur nicht erklären kann ist, wie diese Leute voran kommen. Aber es wird wohl sein wie immer: Frechheit kommt voran.

Wehret den Anfängen

…muesste man sagen, aber die Anfänge sind schon lange vorbei. Der vorauseilende Gehorsam gegenüber Islamisten hat bereits lange Hochkonjunktur.

Für ein Zitat des Papstes aus dem 16. Jahrhundert, in dessen Folge er eine Eigenanylase des Christentums betreibt, wird in Somalia eine Nonne umgebracht. Wer wird dafür in die Verantwortung genommen? Nicht etwa die Islamisten, nein – der Papst !

Die Aufführung der Oper „Idomeneo“ in der Deutschen Oper Berlin wurde abgesetzt. Warum? Weil der Innensenator von Berlin, die Polizeibehoerde und die Intendantin der Deutschen Oper Repressalien durch Islamisten fürchten.

Nach den Worten von Frau Harms, der Intendantin der Deutschen Oper Berlin, die noch im Februar schrieb das „Theater sei eine Schule des Lebens“ , sei es die Ansicht von Herrn Körting, dem Innensenator der Stadt Berlin, gewesen, man muesse die Oper entweder „abändern“ oder „absetzen“.
Europäisches Kulturgut, das Islamisten missfallen könnte, muss man abändern oder absetzen ?!

Für seine Kultur muss man einstehen koennen ! Man muss den Mut haben, sich den Terroristen zu widersetzen, sonst ist man ihr Spielball. Aber für die Herrschaften in Berlin ist das wohl zu viel verlangt. Nur dürfen Sie dann kein öffentliches Amt ausüben!

Nichts erfordert mehr Mut und Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein! – Kurt Tucholsky
Her Körting und Frau Harms haben offenbar weder das eine noch das andere.

– Wir werden die Rechnung dafür bezahlen.

Erinnerungs“kultur“

Anläßlich des Tages des offenen Denkmals war ich gestern in einer ländlichen Gegend mit einer kleinen Synagoge – vor dem Holokaust gab es dort auch eine juedische Gemeinde.

Einer der Nachfahren der Juden des Ortes gab eine Fuehrung zum juedischen Leben , die diesmal ca. 10 Leute anzog: zum ersten Mal einen „Lokalhistoriker“ (einen an der Lokalgeschichte interessierten Laien) und ein paar ältere Herrschaften u.a. vom Typus des „Bildungsbürgers“. Da die juedische Gemeinde nicht sehr groß gewesen war, konnte die Führung spezifisch auf Mitglieder einiger juedischer Familien eingehen, von denen auch Fotos gezeigt wurden. Man ging auch zu dem Bahngleis, an dem der örtliche Frauenverein (inklusive seiner juedischen Mitglieder) die Reisenden bewirtet hatte, und das später als Anfangspunkt der Deportation verwendet wurde.

Diese beiden Punkte stiessen jedoch auf das ausdrückliche Misfallen der „Bildungsbürger“ – das selbstverstaendlich nicht offen gezeigt wurde, sondern sich in getuschelter Kritik manifestierte (in meiner Hörweite, da in Unkenntnis meiner Religion):

„Mir haette es gereicht, zu wissen, dass da die Familie X,Y oder Z gelebt hat“ , „Die ganzen Fotos, das haette nicht sein muessen“, „Alles so persoenlich“ – man hole nur ja keine anonymisiert getöteten Juden wieder in das aktive Gedächtnis!

„Das Bahngleis, das haette er nicht zeigen muessen“ – wie unschicklich, sich an die Deportationen erinnern zu muessen!
Fazit: nur tote Juden, die man in der Anonymität verschwinden lassen kann, sind gute Juden.

Abstand

Der vielberufene Abstand, den man zu seinen Patienten haben soll, ist nicht leicht einzuhalten. Ich weiß auch nicht, wie diejenigen, die ihn so selbstverständlich postulieren, ihn definieren – wo beginnt er, wo wird er zu Kälte?

Ich fühle mit meinen Patienten und auch mit ihren Angehörigen. Man wandelt auf einem schmalen Grad zwischen notwendiger Information und einer Art von „Verurteilung“, will heissen, wenn man Angehörigen sagen muss, dass ein Patient keine guten Chancen hat, seine momentane Krankheit zu überleben. Auch man selbst darf meines Erachtens die Hoffnung nicht verlieren – Patienten spüren es und geben sich auf.

Man bleibt nicht unverletzt mit dieser Haltung, man kann nicht gut „loslassen“, wenn man das Krankenhaus verläßt. Aber man bleibt menschlicher dabei.