Ein Wiedersehen mit alten Bekannten des Hauses

..werde ich sicher morgen „zelebrieren“. Schon letztes Jahr am 24.12. kannte ich den Großteil derer, die – allein lebend und vereinsamt – es vorgezogen haben unter dem Stichwort der (subjektiv empfundenen) Luftnot via Rettungswagen im Krankenhaus Einzug zu halten (natürlich Punkt 24 Uhr nachts).

Insgesamt stimmt es schon sehr traurig, wie man in einer Wohlstandsgesellschaft verarmen und vereinsamen kann. Die Kevins sind nicht nur weit weg – es gibt sie in jeder Stadt. Allein im letzten Jahr habe ich unzählige gesehen – meist Erwachsene – nach Wohnungsöffnung durch Feuerwehr und Polizei. Einige haben es nicht überlebt.

Da ist es mir schon lieber, sie kommen früher und sind weniger krank.

Meiner „alten Bekannten“ von 24 Uhr habe ich gesagt, sie möge doch bittschön ein wenig früher kommen. Sie hat zurück gezwinkert.

Nachtrag vom 25.12.06:

Tatsächlich habe ich einige alte Bekannte getroffen – aber nicht diejenigen, an die ich dachte.

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3 Antworten

  1. Ein sehr interessanter und sehr trauriger Beitrag. Dass immer mehr Menschen an Heiligabend einsam und allein sind, habe ich ja gewusst – aber dass es viele vor lauter Verzweiflung bis ins Krankenhaus (und sogar noch weiter) treibt, das war mir neu. Wir haben in der Familie gerade erst darüber gesprochen, dass wir gern jemanden als Gast einladen würden, wenn wir Weihnachten feiern würden. Aber wir sind nun mal jüdisch und haben am 24.12. halt nichts Weihnachtliches anzubieten …

    Gruß von Anna, die hier sicher öfter hereinschauen wird.

  2. Aber wir können an jüdischen Festen die gebotene Gastfreundlichkeit – insbesondere gegenüber anderen Juden – walten lassen, die hierzulande eher mit dem alten deutschen Judentum untergegangen scheint. In Jerusalem oder Haifa war ich ständig eingeladen – hier jetzt auch, aber das liegt an meinem besonderen Freundeskreis.

    Im Rahmen meines Gijurprozesses war das eines meiner großen Vorbilder – die Gastfreundlichkeit.

  3. B“H

    Ihr werdet lachen, aber auch in Israel gibt es diese Einsamkeit. In Deutschland ist Weihnachten das Familienfest und im Judentum ist dies Pessach.

    Obwohl an Pessach unzaehlige Einladungen ausgegeben werden, stehen viele Alleinstehende voellig verlassen da.
    Wohltaetigkeits – u.relig. Organisationen in Israel veranstalten gemeinsame Pessach – Sedern fuer alle. Und nicht wenige alte Leute gehen dorthin. Ein weiterer Punkt ist die Verarmung und das sich viele keine eigene Seder mehr leisten koennen und auf fremde Hilfe angewiesen sind.

    Miriam

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