Moderne Hygienestrategien

Hygiene ist in Zeiten der vierbuchstaben- und sonstig resistenten Keime sicher ein aktuelles Thema. Die Strategien von Gesundheitsämtern unterliegen offenbar einem fliegenden – nicht immer der Logik anderer einleuchtenden- Wechsel.

Nehmen wir zum Beispiel an, in einem oder gar mehreren Altenheimen gibt es einen Epidemie -verdächtigen Ausbruch hochinfektiöser Gastroenteritisviren und das Gesundheitsamt wird informiert. Eingedenk meines Mikrobiologie- und Hygienekurses kämen mir jetzt die Worte Isolierung und Ausheilung unter symptomatischer Therapie in den Sinn.

De facto wird – angeführt vom Personal der Altenheime – folgende Strategie verfolgt:

Das Heim wird sukzessive evakuiert – natürlich nachts um 1 Uhr, da das ja die strategisch günstigste Zeit ist. Man verteilt die Heimbewohner auf die umliegenden Krankenhäuser – immer in 2er Pärchen, damit auch genügend Viren zur Weiterverbreitung vorhanden sind. Bei einem großen Haus hat man sie bis zum Morgen nicht alle untergebracht – kein Problem, denn hier hilft das Gesundheitsamt weiter: die übrig gebliebenen werden mehr oder minder gleichmäßig auf die umliegenden Krankenhäuser verteilt (damit jedes Haus seinen gerechten Anteil an Viren erhält).

Wir ahnen es: das medizinische Personal ist zu diesem Zeitpunkt bereits selbst betroffen. Eigentlich dürfte es jetzt nicht mehr arbeiten. Aber – wie immer in kleinen Häusern – kommt man doch zur Arbeit, da ja Ende Dezember die Besetzung am unteren Limit liegt.

Ich bin ja mal gespannt, wie – buchstäblich – weit es die Viren auf diese Weise bringen.

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5 Antworten

  1. hallo,

    gerade bin ich beim wandern in fremden blogrolls hier gelandet !

    dein blog ist ja echt spannend und deshalb gleich in meinen blogrolls gelandet, da kann man inzwischen auch schon spazierengehen 😉

    ich werde jetzt mal was weiterwandern, bis dann,
    grenzgaenger

  2. Die angemessene Reaktion würde Geld kosten, viel Geld. Wen? Genau. Es hat was von angelsächsischer Medizinethik wie man sich verhält. Und so wollen viele es ja haben: wie in Angelsachsen.

  3. Würde es so viel mehr Kosten, wenn z.B. das Gesundheitsamt oder die Krankenkassen (vielleicht sogar der MDK) sagen wir einen Arzt tagsüber in das Altenheim schickte mit Infusionen, Laborentnahmen etc.? Ein ganzes Altenheim zu evakuieren und die Bewohner auf Kosten der Krankenkassen zu den bekannten Tagessätzen in die umliegenden Krankenhäuser zu schaffen ist nicht eben billig.

    Was in Angelsachsen nicht schlecht ist, ist das – fehlende – Anspruchsdenken der Patienten (im Gegensatz zu Deutschland).

    Manchmal glaubt man hier, mit Angestellten in einem Luxushotel verwechselt zu werden – nur daß es nichts kosten darf.

  4. Es geht nicht um objektiv höhere Kosten, es geht darum, wen welche Maßnahme viel kosten würde. Und da ist es eben einfach billiger für den Altenheimträger und das Gesundheitsamt, wenn man die GKV für alles zahlen lässt.

    Aber mit den anspruchslosen Angelsachsen machst Du mit mir ein großes Fass auf: die Leute in anderen Ländern mögen ja noch bescheidener sein, aber Patienten in Deutschland sind sowas von brav und anspruchslos im Blick auf Medizin, da wird mir immer ganz anders. Fast alle leiden ohne zu klagen, wenn aber mal jemand klagt, und das kommt viel zu selten vor, dann sind entweder alle Unterlagen verloren gegangen, es kann sich niemand erinnern, oder die Juristen stecken mit den Ärzten unter einer Standesdecke und schmettern fast alle Ansprüche ab. Also das können wir mal getrennt diskutieren.

    Guten Rutsch ins neue Jahr!

  5. Hi Wolf,

    ich arbeite gedanklich bereits an einem Beitrag zum Angelsachsen Faß und freue mich schon auf die Diskussion.
    Dir auch einen guten Rutsch!

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