אבל – Trauer im Judentum

Frau Birke hat mir vor ungefähr einer Woche eine Frage zu einem Aspekt der Trauer im Judentum gestellt. Ich habe angeboten, ein paar grundlegende Dinge darzustellen. Diese kleine Darstellung ist mir ein bisschen zu lang geworden, enthält aber natürlich nicht annähernd alles , was es über Trauer (ewel, hebr. siehe Titel) im Judentum zu wissen gibt. Nachfragen beantworte ich gerne.

Der Tod stellt im Judentum den Übergang von dieser Welt (עולם הזה, olam hase) in die nächste Welt (עולם הבא, olam haba) dar. Jüdische Trauerriten sind zum einen darauf bedacht, einem Toten Ehre und Respekt zu erweisen (כבוד המת, kewod hamet), zum anderen auf die Bedürfnisse der Trauernden in geistiger wie emotionaler Hinsicht zu achten und ihnen Trost zu spenden (nichum avelim).

Das kostbarste Gut ist aus jüdischer Sicht das Leben. Für die Lebensrettung dürfen alle Shabbat Gesetze außer Acht gelassen werden. Man darf nichts tun, was den Sterbeprozeß beschleunigen würde. Wenn der Patient Qualen erleidet können jedoch künstliche lebensverlängernde Maßnahmen eingestellt werden.

Ein observanter Jude wird vor seinem Tod z.B. das ודוי (Vidui) sagen wollen. Es ist ein Gebet, das zum einen anerkennt, daß Leben und Tod in der Hand des Schöpfers liegen und zum anderen um Vergebung für Sünden (Vorsicht – der jüdische Begriff der Sünde ist vom christlichen sehr deutlich zu unterscheiden), Fehler und Übertretungen der Gebote bittet.

Der Sterbende wird nicht nicht allein gelassen – damit er sich nicht verlassen fühlt und zugleich aufgrund des ernüchternden Effekts auf die Lebenden.

Der Körper birgt die Seele wie ein Gefäß in sich – darum verdient er Respekt, auch wenn sie von ihm gegangen ist. Auch ein toter Körper wird deshalb nicht alleine gelassen.

Autopsien und Feuerbestattungen sind verboten – sie widersprechen nach jüdischer Ansicht dem Respekt vor den Toten, auch die Vorstellung von der Auferstehung bei der Wiederkehr des Moshiach spielt hier eine Rolle. Einbalsamierung ist gleichsam nicht erlaubt, da das Blut eines Verstorbenen zu ihm gehört und nicht verworfen werden darf (es gibt einzelne Methoden, die den Körper intakt lassen und erlaubt sind). Auch ein offener Sarg ist in der jüdischen Tradition nicht mit dem gebotenen Respekt vereinbar.

In Vorbereitung auf die Beerdigung wird der Körper rituell gereinigt (tahara). Es gibt in jüdischen Gemeinden jeweils für Männer und Frauen eine chewra kaddisha (heilige Gesellschaft), um auch im Tod den Anstand zu wahren. Sie besteht aus speziell ausgebildeten Jüdinnen oder Juden, die diese im Judentum als heilig betrachtete Aufgabe erfüllen.

 

Anschließend wird der Verstorbene in einfache Leintücher (tachrichin) bzw. ein einfaches Totenhemd gekleidet – im Tod gibt es keinen Unterschied zwischen Reichen und Armen. Die Begründung dieses Brauchs findet sich im Talmud (Moed Katan 27b) – sie rührt noch von einer Zeit her, in der Angehörige eines Verstorbenen vor den Kosten flohen. Männern wird ihr Tallit (Gebetsschal) umgelegt.

Gen 3,19

Im Schweiß deines Antlitzes magst du Brot essen,
bis du zum Acker kehrst,
denn aus ihm bist du genommen.
Denn Staub bist du und zum Staub wirst du kehren.

Die Beerdigung kann aus jüdischer Sicht mit oder ohne Sarg stattfinden. Wenn der Tote in einem Sarg bestattet wird, sollte dieser möglichst schlicht sein. Die Beerdigung soll so schnell als möglich stattfinden – am Shabbat oder ersten Tag eines Festes finden jedoch keine Beerdigungen statt.

Das Reißen eines Kleidungsstücks (קריעה- kri´ah) wird heutzutage bei der Beerdigung gemacht (wenn die Beerdigung nicht am 2. Tag eines Festes statfindet – in diesem Fall wird sie nach dem Fest gemacht). Man macht es nur für Verwandte, für die auch die speziellen Trauerperioden eingehalten werden müssen.

Shiva

Sieben Tage der Trauer, die nach der Beerdigung beginnen und für Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Bruder, Schwester und Ehepartner eingehalten werden müssen. In dieser Zeit darf nicht gearbeitet werden. Während dieser Zeit werden Spiegel, die als Zeichen der Eitelkeit gelten, verhängt. Es wird eine Kerze (ner daluk, brennende Kerze) angezündet, die sieben Tage brennen soll. Die Seele hängt am Körper wie der Docht an einer Kerze, Licht wird als Symbol der Seele betrachtet:

Spr 20,27 Eine Lampe von IHM ist der Atemgeist des Menschen,

sie durchspürt alle Kammern des Busens.

In der jüdischen Tradition gilt, daß ein Trauernder erst nach der Beerdigung dem Trost zugänglich ist. Jedoch darf man ihn auch dann nicht auf seinen Verlust ansprechen – wenn er jedoch davon spricht, darf man mit ihm darüber reden. Mir persönlich ist das besonders wichtig, da ich die allzuoft nur oberflächlich gemeinten Beileidsbekundungen gräßlich finde. Der Fokus im Judentum liegt auf dem Trost der Trauernden: die erste Mahlzeit (seudat havra´ah) nach der Beerdigung soll von Freunden oder Nachbarn bereitet werden (und da sie natürlich koscher sein soll, von jüdischen). Während der Shivah sitzt man auf niedrigen Stühlen/Hockern oder dem Boden. G´ttesdienste werden im Haus der Trauernden abgehalten – d.h. es muß ein Minjan (Quorum von zehn jüdischen Männern) zustande kommen. Der Shabbat wird jedoch eingehalten, öffentliche Trauerriten sind solange aufgehoben. Findet eine Beerdigung während Pessach oder Sukkot statt, beginnt Shiva nach Ende des jeweiligen Festes.

Shloshim

– dreißig Tage nach der Beerdigung. Nach Ende der Shiva darf wieder gearbeitet werden. Man nimmt jedoch nicht an Hochzeiten, Parties oder anderen Vergnügungen teil – auch nicht an der eigenen. Für alle, die nicht um Mutter oder Vater trauern, endet hiermit die Trauerperiode.

Im ersten Jahr nach dem Tod des Angehörigen gelten dieselben Bestimmungen wie für Shloshim, wenn man um ein Elternteil trauert. In diesem Fall muß ein jüdischer Mann 11 Monate lang in G´ttesdiensten Kaddish sagen, das Totengebet, das auch noch andere Varianten und Formen hat, aber immer ein Gebet ist, das G´tt preißt.

 

Yahrzeit

Nach Ablauf der 11 Monate wird nur an derYahrzeit (Todestag) des Toten Kaddish gesagt (wiederum in einem G´ttesdienst). Die Yahrzeit ist ein Tag der Erinnerung an den Verstorbenen wie auch des Gebets. Wieder wird eine Kerze angezündet, die jetzt einen Tag brennen soll.

Der Grabstein wird nicht vor Ablauf eines Jahres gerechnet ab dem Todestag errichtet. Eine jüdische Gemeinde braucht einen eigenen Friedhof, um ihre Toten nach jüdischem Ritus bestatten zu können – und die Voraussetzungen sind noch sehr viel genauer als ich sie in dieser kurzen Zusammenfassung dargestellt habe. Die Totenruhe darf generell nicht gestört werden – auch hier gibt es Ausnahmen, z.B. um einen Menschendann in Israel beerdigen zu können.

Exzessive Trauer gilt im Judentum als schädlich – die Betonung liegt im Judentum wie eingangs gesagt, auf dem Leben:

Jes 25,8 er vernichtet den Tod in die Dauer.
Abwischen wird mein Herr, ER,
von alljedem Antlitz die Träne,
und die Schmach seines Volkes abtun
von allem Erdland.

 

Zitate aus dem Tanach stammen aus der Übersetzung von Martin Buber, erhältlich bei der Deutschen Bibelgesellschaft.

 

 

 

 

Doc ChefSmart auf Visite (1)

DocChefSmart: „Warum steht denn da „iatrogener Pneumothorax“?! [iatrogen bedeutet durch einen Arzt verursacht]

DocSmart: „Weil der beim Anlageversuch eines zentralen Venenkatheters entstanden ist.“ [durch DocSpeziOberClever]

DocChefSmart: “ Aber man muss sich doch nicht selbst kasteien – das schreiben wir so bitte nicht mehr hin!“

DocSmart: „Aber es entspricht den Tatsachen?!“

DocChefSmart: „Ja, aber das kann man auch anders ausdrücken!“

Noch Fragen, wie Krähenmentalität unterhalten wird?

Das Damoklesschwert der kleinen Krankenhäuser

– auch genannt das Arbeitszeitgesetz -tritt in den nächsten Monaten nun „endlich“ in Kraft.

Es kostet die jeweiligen Träger Geld – auch wenn das Gehalt der fest angestellten Ärzte sinkt (da ja weniger Stunden gearbeitet werden), so müssen im Falle kleiner Häuser „Externe“ beschäftigt werden, um die Dienststunden zu leisten, die den eigenen fest angestellten Ärzten nun gesetzlich verboten sind.

Für kleine Häuser wird sich das nicht rechnen, so daß sie langfristig geschlossen werden.

Als nächstes Blühen uns dann medizinische Versorgungszentren -wer eine Eulogie lesen möchte, findet sie auf den Seiten des Bundesgesundheitsministeriums.

Da ich mich ja bemüht habe, mich aus gesundheitspolitischen Themen herauszuhalten, habe ich noch selten ein solchen Unfug Haufen naiven Geplapper gelesen. Wer das glaubt, hat noch keinen Kontakt mit Strukturen der ambulanten Medizin gehabt.

Noch mehr Informationsquellen

Es gibt gute Nachrichten für diejenigen Juden in Deutschland, die es stört, als Informationsquelle des israelisch- arabischen Konflikts herangezogen zu werden.
Nein, keine Sorge, die nichtjüdische Mehrheit hat nicht begriffen, daß deutsche Juden nicht „Stellvertreter“ Israels sind, nicht perfekt informiert sind und nicht wirklich als Prügelknaben für Kritik an diesem oder jenem Verhalten Israels herhalten möchten.
Amerikanische (und ja, juedische) Politikwissenschaftler haben sich die Mühe gemacht, Behauptungen und Tatsachen des israelisch-arabischen Konflikts einander gegenüber zu stellen. Die Behauptungen, die man hier findet, lassen mir die Haare zu Berge stehen, aber die Antworten erscheinen sachlich.

Noch ein Vorteil für diejenigen, die des Englischen nicht ausreichend mächtig sind, um lokale Berichterstattungen zu verfolgen: viele dieser Manuskripte gibt es in mehreren Sprachen.

Gefunden habe ich diese Manuskripte durch den Newsletter der Botschaft des Staates Israel in Berlin .

Und noch ein Brief…

…aber nicht von mir geschrieben.

Vor kurzem wurde ein Patient aus einerUniversitätsklinik zu uns zurückverlegt. Wie viele andere kannten wir ihn von Voraufenthalten, aus uns nicht ersichtlichen Gründen war er in der Universitätsklinik X gelandet, der es jetzt an Betten mangelte und die ihn daher zu uns zurück verlegte. Als der Patient von meinem Kollegen auf Station aufgenommen wurde, erhielt ich einen Anruf:

„Hast Du den Patienten in der Aufnahme gesehen?“ 

„Ja.“

„Hast Du den Verlegungsbrief gelesen?“

„Ja.“

„So einen Verlegungsbrief habe ich in meinem ganzen Leben noch nie von einer Universitätsklinik gelesen.“

„Ich auch nicht.“

Der Inhalt des Briefes war sehr kurz und wenig aussagekräftig. Er lautete wie folgt:

„Pat. bei Ihnen bekannt.“

Daß Arztbriefe prägnant sein sollen, um dem Empfänger das Wesentliche zu präsentieren, seine Zeit aber nicht übermäßig in Anspruch zu nehmen, ist Konsens. Arztbriefe, die sich über mehr  als eine DIN A4 Seite erstrecken, liest kein Hausarzt (Assistenzärzte in Krankenhäusern schon, wenigstens meistens). Aber der oben genannte war schon ein wenig kurz. Was wir mit dem Patienten machen sollten, war uns auch nicht klar.

Glimpflich abgegangen…

..ist unsere Urlaubsplanbesprechung – letztes Jahr segelten wir knapp an fliegenden Stühlen vorbei. Und dabei ist der Kollege, der seine eigene Praxis eröffnet hat und sich daher seinen eigenen Urlaub selbst einteilen kann, der friedfertigste von uns allen gewesen.

Meine neue „Rotation“ – bei uns heisst das Station und „Funktionen“, also Magen- und Darm- oder Lungenspiegelung, Knochenmarkpunktion etc. – macht mir auch viel Freude. Jeder der Oberärzte hat seinen eigenen Stil und jeder läßt einen andere Dinge selbst machen (ich bin ja noch Frischling diesbezüglich).

Trotzdem vermisse ich die Arbeit auf Intensivstation. Ich arbeite aber an meiner „Fachkunde Rettungsdienst“ (ja, ich weiß, daß das bald anders heisst) und hoffe, bald Notarzteinsätze fahren zu dürfen. Ich liebe schnelle Entscheidungen nach Leitsymptomen und die Differentialdiagnostik.

Ja, und dann habe ich noch ein Gutachten für ein Sozialgericht von meinem Chef- und eines von einem der Oberärzte zugeteilt bekommen.

Medizin kann auch Spaß machen – auch wenn ich oft Kritik übe (ist schon zu meinem Markenzeichen geworden).

Literatur für Fortgeschrittene (1. Person plural, primär weiblich)

Während meines Gijurkurses in Israel und Großbritannien habe ich viel aus Büchern und von Menschen gelernt. Klar war auch, daß das Lernen mit der Urkunde des Beth Din nicht beendet sein würde – im Gegenteil, da ging es erst richtig los.

Meine Lieblingsquelle hierbei war von Anfang an „Nashim – A Journal of Jewish Women´s Studies & Gender Issues“. Jede Ausgabe hat ein eigenes Thema, zu dem es vielfältige wissenschaftliche Beiträge gibt. Die aktuelle Ausgabe hat es mir besonders angetan, bezieht sie sich doch auf „women´s health, reproduction and body politics“. Wie gewohnt werden historische, religiöse und praktische Aspekte berücksichtigt.

Herausgegeben wird Nashim vom Schechter Institute of Jewish Studies , Jerusalem, dem Hadassah Brandeis Institute und Indiana University Press.

Wer Zugang zu Nashim hat, sollte einen Blick riskieren – es lohnt sich.