Die Kehrseite der Medaille oder das Angelsachsenfaß (2)

Nachdem ich meinen Unmut an den Ansprüchen an das Gesundheitssystem zum Ausdruck gebracht habe, drehe ich den Spieß jetzt in Richtung der ärztlichen Seite.

Wie Wolf so treffend angemerkt hat, sind die Ansprüche an erbrachte Leistungen erstaunlich niedrig,  um ein vielfaches geringer als die Ansprüche an zu erbringende Leistungen.

In allen Bereichen, in denen Menschen arbeiten, ist Eitelkeit ein wesentliches Motiv. Ob sie in der Reihenfolge der vorherrschenden Motive des Handelns vor oder hinter der Hierarchie steht mag von Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlich sein. Fachlichkeit steht hinter beiden deutlich zurück. Bei derartigen Leitstrukturen verwundert es nicht, daß die Ergebnisse oft suboptimal sind.

Um es an einem Beispiel zu erläutern: wenn ein Chefarzt ein Medikament anordnet, das nach aktuellem Kenntnisstand sicher bei einem Patienten nicht indiziert ist, so wird es doch gegeben werden, da alle anderen Ärzte ihm weisungsgebunden sind.  Keiner wird das dem Patienten gegenüber zum Ausdruck bringen. Allgemein ausgedrückt: wenn ein Procedere von oben festgelegt wird, der fachliche Protest der „unteren Chargen“ ignoriert wird und ein Patient dadurch zu Schaden kommt, so dringt das kaum je nach außen.

Genau wie Wolf angemerkt hat, verschwinden in Fällen, in denen Zweifel erhoben werden, oft Akten, es tritt plötzlicher Gedächtnisschwund auf etc.

Aber nicht alle handhaben das derart: auch meine Angehörige waren schon Patienten, es wurden Fehler gemacht und mir gegenüber unmittelbar zugegeben. Meine Angehörigen haben keinen relevanten Schaden davon getragen und wir haben das so akzeptiert.

Auch ich habe Fehler gemacht und mit den Angehörigen meiner Patienten offen darüber gesprochen (das waren keine „großen“ Fehler bei denen jemand einen bleibenden Schaden davon behalten hat, aber sie haben mich geärgert): keiner hat sich auch nur bei meinem Chef beschwert (dem ich das natürlich auch gesagt hatte).

Der immer noch häufig krähenartige Umgang mit Fehlern beruht meines Erachtens auf einem Systemfehler – nicht unwesentlich auf den hierarchischen Strukturen der ärztlichen Seite.

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3 Antworten

  1. B“H

    Ist es nicht auch Gang und Gebe, dass Mediziner von bestimmten pharmazeuthischen Firmen dazu veranleitet werden, nur deren Produkte zu verabreichen. Manche Mediziner gaben sogar einmal zu, wenn auch anonym, dass die pharmazeuthische Industrie ihnen nachher diverse Presente, wie Urlaub auf Mallorca oder Sonstiges zukommen lassen wuerde.

    In Deutschland ziehen sich allgemein die Klagen gegen Mediziner sehr lange hin und sind schwer nachweisbar. In den USA scheint mir dies anders zu sein.

    Miriam

  2. Ja, die Pharmafirmen versuchen auf viele Arten, Einfluß zu nehmen: Beraterverträge und div. Präsente gehören auch dazu.

  3. Das kann ich ja dann einfach mal unterschreiben.

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