Störenfriede

Es ist schon schade, wenn Rassisten und andere Störenfriede meinen, sich mit ihren gewohnt ungeschlachten und meist auch wenig differenzierten Meinungen (bah, wozu auch mit anderen respektvoll diskutieren) einschleichen zu müssen.

Ich musste daher die Kommentarfunktion ein wenig regulieren – dauert für alle anderen etwas länger. Aber keine Sorge, die Diktion der Einschlägigen ist ja wohlbekannt.

Ein Neujahr der anderen Art

Im jüdischen Kalender gibt es nicht ein Neujahr, es gibt deren vier. Der erste Nisan ist das Neujahr der Könige und Feste, der erste Elul für den Zehnten der Tiere, der erste Tishrei für Kalenderjahre, Sabbat- und Jubeljahre, das Pflanzen sowie Gemüse. Der fünfzehnte Shvat (im Jahr 5767 bzw. aktuell 2007 wird er auf den 3. Februar, einen Shabbat, fallen) ist der Neujahrstag der Bäume (Babyl. Talmud Rosh Hashana 2b), er ist der „Stichtag“ für die Berechnung der 4 Jahre, während der man von den Früchten eines in Israel gewachsenen Baumes nicht essen darf (die Früchte des 4. Jahres sind für G´tt), insgesamt also für die verschiedenen Arten der Verzehntung undfür das Shmittajahr.

Im Tanach werden Menschen an mehreren Stellen mit Bäumen verglichen:
Devarim [Deuteronomium] 20,
19 Wenn du eine Stadt viele Tage einengst, sie zu bekriegen, um dich ihrer zu bemächtigen, verdirb nicht ihren Baumstand, eine Axt gegen ihn zu zücken,
denn von ihm sollst du genießen, du sollst ihn nicht roden:
denn ist der Baum des Feldes ein Mensch, daß er vor dir in die Einengung käme?
20 Bloß einen Baum, von dem du weißt, daß er nicht ein Baum zu Genusse ist,
den magst du verderben, roden, magst Einengungswerk bauen gegen die Stadt, die Krieg mit dir macht, bis sie sinkt.

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Jes 65,22

Denn wie die Tage des Baums sind die Tage meines Volks nun,
was das Tun ihrer Hände erbringt, sollen meine Erwählten verbrauchen.

Jer 7

Gesegnet der Mann, der mit IHM sich sichert: ER wird seine Sicherheit.
8 Der wird sein wie ein Baum, ans Wasser verpflanzt,an den Lauf sendet er seine Wurzeln: wenn Glut kommt, sieht er nicht darauf, üppig bleibt sein Laub, im Mangeljahr sorgt er nicht, läßt nicht ab, Frucht zu bereiten.

Wie auch an Rosh Hashanah hält G@tt an Tu B´Shvat Gericht über die Bäume, weswegen es Rosh Hashana Leilanot genannt wird.

Es gibt keine Vorschriften über bestimmte Mahlzeiten, die gegessen werden sollen, doch ist es Sitte, Früchte des Landes Israel zu essen – natürlich mit der entsprechenden Bracha. Damit man das Shehechejanu sagen kann, wird auch eine neue Frucht, von der man noch nicht gegessen hat, genossen. An einigen Orten hat sich der Brauch eines TuBShvat Seders entwickelt – in Anlehnung an den Pessach Seder. Last but not least wird in der Diaspora Geld gesammelt, um in Israel Bäume zu pflanzen.

Die Tanach Zitate stammen aus „Die Schrift“ in der Übersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig, erhältlich als CD Rom bei der Deutschen Bibelgesellschaft.

Die Kehrseite der Medaille oder das Angelsachsenfaß (2)

Nachdem ich meinen Unmut an den Ansprüchen an das Gesundheitssystem zum Ausdruck gebracht habe, drehe ich den Spieß jetzt in Richtung der ärztlichen Seite.

Wie Wolf so treffend angemerkt hat, sind die Ansprüche an erbrachte Leistungen erstaunlich niedrig,  um ein vielfaches geringer als die Ansprüche an zu erbringende Leistungen.

In allen Bereichen, in denen Menschen arbeiten, ist Eitelkeit ein wesentliches Motiv. Ob sie in der Reihenfolge der vorherrschenden Motive des Handelns vor oder hinter der Hierarchie steht mag von Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlich sein. Fachlichkeit steht hinter beiden deutlich zurück. Bei derartigen Leitstrukturen verwundert es nicht, daß die Ergebnisse oft suboptimal sind.

Um es an einem Beispiel zu erläutern: wenn ein Chefarzt ein Medikament anordnet, das nach aktuellem Kenntnisstand sicher bei einem Patienten nicht indiziert ist, so wird es doch gegeben werden, da alle anderen Ärzte ihm weisungsgebunden sind.  Keiner wird das dem Patienten gegenüber zum Ausdruck bringen. Allgemein ausgedrückt: wenn ein Procedere von oben festgelegt wird, der fachliche Protest der „unteren Chargen“ ignoriert wird und ein Patient dadurch zu Schaden kommt, so dringt das kaum je nach außen.

Genau wie Wolf angemerkt hat, verschwinden in Fällen, in denen Zweifel erhoben werden, oft Akten, es tritt plötzlicher Gedächtnisschwund auf etc.

Aber nicht alle handhaben das derart: auch meine Angehörige waren schon Patienten, es wurden Fehler gemacht und mir gegenüber unmittelbar zugegeben. Meine Angehörigen haben keinen relevanten Schaden davon getragen und wir haben das so akzeptiert.

Auch ich habe Fehler gemacht und mit den Angehörigen meiner Patienten offen darüber gesprochen (das waren keine „großen“ Fehler bei denen jemand einen bleibenden Schaden davon behalten hat, aber sie haben mich geärgert): keiner hat sich auch nur bei meinem Chef beschwert (dem ich das natürlich auch gesagt hatte).

Der immer noch häufig krähenartige Umgang mit Fehlern beruht meines Erachtens auf einem Systemfehler – nicht unwesentlich auf den hierarchischen Strukturen der ärztlichen Seite.