Es ist wieder die Jahreszeit,…

… in der das medizinische Personal einmal mehr „kränker“ ist als die Patienten, die wir aufnehmen. In meinem wie immer „gut besuchten“ Nachtdienst habe ich mindestens 2 Patienten aufgenommen, die an Bagatellen zu leiden angaben.

Oft sind es Patienten mit einer somatisierten Depression, die z.B. Husten als besonders störend klagen, den keiner objektivieren kann. In meinen vergangenen 3 Nachtdiensten habe ich sie oft gesehen, aber nicht ein einziges Mal husten hören (im Gegensatz zu meiner Kollegin und mir). Lunge auskultatorisch, perkutorisch und röntgenologisch (abgehört, abgeklopft und fotografiert) unauffällig. Wenn man das Wort Depression erwähnt laufen sie die glatte Wand hoch. Der sekundäre Krankheitsgewinn muß ja immens sein. Nur  – wie durchbricht man eine solche Abwehr?

Wohlgemerkt haben wir schon mehrfach organische Ursachen ausgeschlossen (bis an die Schmerzgrenze des Erträglichen)  – so, wie sich das gehört.

Schade auch, daß es bei uns (will heissen in erreichbarer Nähe) keine Balint Gruppe gibt. Man ist ja nicht ganz gefeit gegen die Übertragungsmechanismen, auch wenn es mit der Zeit leichter wird, sie zu erkennen und die Gegenübertragung abzublocken.

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