Es ist wieder die Jahreszeit,…

… in der das medizinische Personal einmal mehr „kränker“ ist als die Patienten, die wir aufnehmen. In meinem wie immer „gut besuchten“ Nachtdienst habe ich mindestens 2 Patienten aufgenommen, die an Bagatellen zu leiden angaben.

Oft sind es Patienten mit einer somatisierten Depression, die z.B. Husten als besonders störend klagen, den keiner objektivieren kann. In meinen vergangenen 3 Nachtdiensten habe ich sie oft gesehen, aber nicht ein einziges Mal husten hören (im Gegensatz zu meiner Kollegin und mir). Lunge auskultatorisch, perkutorisch und röntgenologisch (abgehört, abgeklopft und fotografiert) unauffällig. Wenn man das Wort Depression erwähnt laufen sie die glatte Wand hoch. Der sekundäre Krankheitsgewinn muß ja immens sein. Nur  – wie durchbricht man eine solche Abwehr?

Wohlgemerkt haben wir schon mehrfach organische Ursachen ausgeschlossen (bis an die Schmerzgrenze des Erträglichen)  – so, wie sich das gehört.

Schade auch, daß es bei uns (will heissen in erreichbarer Nähe) keine Balint Gruppe gibt. Man ist ja nicht ganz gefeit gegen die Übertragungsmechanismen, auch wenn es mit der Zeit leichter wird, sie zu erkennen und die Gegenübertragung abzublocken.

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6 Antworten

  1. Ein besorgtes Gesicht machen, erklären, dass nun gerade diese »besonders komplizierte Komplikation« nur ambulant behandelt werden dürfe wegen der Kürzungen im Gesundheitssystem (Hinweis auf Ulla Schmidt und die allgemeine Unfähigkeit der Politiker in Sachen Gesundheit an der Stelle nicht vergessen, sowie Hinweis, dass so schwierige Situationen mit den üblichen einfachen Medikamenten nicht in den Griff zu bekommen wären, Stirne runzeln nicht vergessen!) und an einen sorgfältigen Hausarzt verweisen (nicht überweisen, denn wg. Kürzungen …). Ich bezweifle, dass Ihr einen Patienten wirklich führen könnt von der (Nacht-)Aufnahme aus, das muss jemand anders machen.

  2. Wie gerne ich DAS machen würde! Nur ist es in kleinen Häusern wie unserem Politik, *alle* Patienten aufzunehmen. Wenn ich sie gehen lasse, müssen sie unterschreiben, daß sie das auf eigene Verantwortung tun. „Psychische Dekompensationen“ haben häufig die Angewohnheit, sich zu beschweren, daß sie nicht aufgenommen wurden. Hinzu kommt, daß die meisten Hausärzte keine gute Patientenführung haben (20% unserer Fälle sind „Versorgungsprobleme“, meist vom HA eingewiesen wegen irgendwelcher vielfach abgeklärter Symptomatiken).

  3. Dann bleibt nur:

    1.) Selbstbeteiligung verdoppeln, so lange und so oft bis das Problem nicht mehr auftritt. Schlechtere Versorgung wirklich bedürftiger Menschen zum (unvermeidlichen politogenen) Kollateralschaden erklären oder

    2.) Ausbildung der Hausärzte verbessern, Kommunikation zwischen Klinik- und Hausärzten beginnen (nun sach nich mir, dass es die schon gäbe) oder

    3.) die Kosten solcher stationärer Leistungen aus dem Topf der Niedergelassenen bezahlen.

    2+3 können problemlos kombiniert werden, 1 hat den Charme wieder alle Kosten auf die Patienten zu verlagern.

  4. Ad 1.) Dafür (bzw. für einen ähnlichen Vorschlag) haettest Du mich neulich um´s Haar an den virtuellen Marterpfahl gestellt. Ich bin sicher dafür (z.B. ab dem 2. Verlassen auf eigene Verantwortung).

    Ad 2.) Gute Idee. Zu den guten HA gibt es eine gute Kommunikation (mindestens von meiner Seite, will heissen ich rufe für alle wesentlichen Dinge an)
    Nur manche sind einfach „doof“.

    Ad 3.) Auch gut ! Denn ein Teil der aktuellen Praxis zielt ja auf Kostenabwälzung ab.

  5. Nix Marterpfahl, ich hatte Dir nur (und da darfst Du mir Kenntnis unterstellen) die zu erwartenden Diskussionsbeiträge der Deutschen Krankenhausgesellschaft, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Spitzenverbände der Krankenkassen angedeutet. Und das Ironie-Tag rund um 1.) wird Dir doch nicht verborgen geblieben sein?

    Die Hausärzte halten übrigens die Krankenhausärzte für einfach doof. Und überhaupt: weil jede Ärztegruppe (und Fachrichtung) jeweils die anderen für einfach doof hält klappt das auch nicht mit der Kommu, Kommi, Unterhaltung halt.

    Und wegen allem anrufen: was meinst Du denn wie das den Praxisablauf stört? Kommu-Dingsbums darf doch nicht heißen, dass Krankenhausärzte den fleißigen Niedergelassenen auf den Keks gehen und den Patienten die einzige Telefonleitung zum Arzt blockieren. Also wirklich …

    3) ist völlig unrealistisch aber der einzig sinnvolle Vorschlag, weil er die belastet, die es verändern könnten.

  6. Anrufe – dachte auch ich anfangs – würden den Praxisablauf stören. Weit gefehlt: ruft man nicht an, heisst es, man informiere den Kollegen ja nicht adäquat (nicht alle Pat. gehen zum HA nach Entlassung), hält man sich kurz, gilt man als unfreundlich. In unserer Umgebung lieben HA die Anrufe stellenweise (ich werde z.T. in ewiges Geschwafel verwickelt, für das mir ja nun auch die Zeit fehlt).

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