Sterben – verboten?

Oft werden Patienten nach „erfolgreichen“ Wiederbelebungsmaßnahmen zu uns gebracht: beatmet, ohne kreislaufstabilisierende Medikamente werden sie (nach Gabe von Flüssigkeit und ggf. Erykonzentraten (Blutkörperchen), einer Antibiose, also insgesamt einer erschöpfenden Therapie) bradykard und ließe man sie, würden sie sterben.

Wir haben dann die Aufgabe, dies der Familie zu sagen und um eine Maßgabe zu bitten: soll die Therapie bis hin zur X.ten Wiederbelebungsmaßnahme fortgesetzt werden, oder soll man den Patienten sterben lassen?

Ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft ich in den letzten beiden Jahren den Satz gehört habe „Aber sie war doch immer gesund – bis sie ins Krankenhaus kam!“ (und bei uns bezieht sich das meist auf Patienten über 80 Jahren). Keiner will es wahrhaben. Ob es um demente Menschen mit allen alterswahrscheinlichen Begleiterkrankungen (KHK, x Schlaganfällen u.v.m.) oder um Menschen mit Tumorerkrankungen geht, spielt dabei keine Rolle.

Wenige treffen bewußt die Entscheidung, den Angehörigen gehen zu lassen. Bis zur letzten Sekunde wehren sie sich dagegen.

Sterben scheint bei uns verboten.

Zur Ethik in der Notfallmedizin.

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