Sterben – verboten?

Oft werden Patienten nach „erfolgreichen“ Wiederbelebungsmaßnahmen zu uns gebracht: beatmet, ohne kreislaufstabilisierende Medikamente werden sie (nach Gabe von Flüssigkeit und ggf. Erykonzentraten (Blutkörperchen), einer Antibiose, also insgesamt einer erschöpfenden Therapie) bradykard und ließe man sie, würden sie sterben.

Wir haben dann die Aufgabe, dies der Familie zu sagen und um eine Maßgabe zu bitten: soll die Therapie bis hin zur X.ten Wiederbelebungsmaßnahme fortgesetzt werden, oder soll man den Patienten sterben lassen?

Ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft ich in den letzten beiden Jahren den Satz gehört habe „Aber sie war doch immer gesund – bis sie ins Krankenhaus kam!“ (und bei uns bezieht sich das meist auf Patienten über 80 Jahren). Keiner will es wahrhaben. Ob es um demente Menschen mit allen alterswahrscheinlichen Begleiterkrankungen (KHK, x Schlaganfällen u.v.m.) oder um Menschen mit Tumorerkrankungen geht, spielt dabei keine Rolle.

Wenige treffen bewußt die Entscheidung, den Angehörigen gehen zu lassen. Bis zur letzten Sekunde wehren sie sich dagegen.

Sterben scheint bei uns verboten.

Zur Ethik in der Notfallmedizin.

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3 Antworten

  1. B“H

    Gute Frage.
    Ich gebe dir jetzt einfach einmal einen halachische Gedanken: Ich glaube es ist im Talmud Berachot wo steht, dass wer einem Sterbenden die Augen Sekunden vor seinem Tod zudrueckt, als Moerder gesehen wird. Er haette sich in dem Moment ueber G-tt erhoben.
    Vielleicht erklaert dies etwas, das man alles menschenmoegliche bis zum Ende tun sollte.
    Aber ich bin keine Halacha – Experte und kenne mich mit dem Thema zu wenig aus.

    Wenn jemand ueber 70 Jahren eingeliefert wird, macht ihr dann ueberhaupt noch viel her, um dessen Leben zu retten. Ich meine bezogen auf das Alter ?

    Miriam

  2. Also meines Wissens nach muß man einem leidenden Menschen das Leben nicht verlängern. Ich lese es gerade nach und warte noch auf entspr. Literatur.
    Ob das so angenehm ist, Rippenfrakturen von wiederholten Reanimationen zu erleiden, das sei mal dahin gestellt. Zudem zeigt die Erfahrung, dass kreislaufstabilisierende Medikamente auf Lange Sicht (Wochen) einen neg. Effekt haben.

    Was wir machen, hängt vom Gesamtbild ab. Bei einer fiten 90jährigen, die das möchte – klare Sache, ja. Wir schicken auch fite 86jährige noch zum Herzkatheter (nach Risikoabwägung in Anbetracht aller Erkrankungen).

    Bei einer 90jährigen Patientin, die in der Summe ihrer Erkrankungen sich nicht mehr äußern kann, vor Schmerzen wimmert ist es dann die von mir gestellte Frage.

  3. Ihr Lieben,

    bedingt durch meine Arbeit als ambulante Hospizbegleiterin stellt sich mir auch die Frage, wo Leben verlängern , wo jemanden einfach seinen letzten Gang gehen lassen.

    Da ich selber schon in der misslichen Lage war als mein vater an Lungenkrebs erkrankte, an dem er auch verstarb, weiss ich wie schwer es fällt jemanden den man liebt loszulassen und ihn gehen zu lassen.

    Leider ist das Sterben, das ja für jeden von uns unausweichlich ist, immer noch ein Tabuthema vor dem sich viele verschliessen. Als ich damls meien Mutter darauf ansprach, das mein Vater sterben wird lehnte sie diese Vorstellung vehement ab und ich musste dies akzeptieren.

    Ich selebr habe alnge udn sehr intensiv mit meienr Tochter darüber gesprochen ud wir sind usn einige dass am Ende unser Zeit keien lbensverlängernden Massnahmen mehr gmacht werden sollen, wir wollen nicht künstlich beatmet werden oder künstlich ernährt, sondern wir wollen gehe dürfen ohne das jemand Fremder darüber entscheiden etwas was bestimmt ist zu verändern.

    Als Arzt aber diese Entscheidung zu treffen ist sicherlich nicht, da es doch Aufgabe der Ärzte ist Leben zu retten und zu verlängern und nicht zu nehmen. Zudem betseht ja auch der Zwispalt in den man gerät wenn man sich anderes entschiedet zumal es ja rechtlich Konsequenzen nach sich ziehen kann wenn die Angehörigen anderer Meinung sind.

    Die Entscheidung kann einem keiner abnehmen, egal ob man nun der behandelnde Arzt ist oder der Angehörige. Letzendlich muss man sein eigenes Gewissen entscheiden lassen. Mna kann nur eines dem anderen mit Rat und evtl Tat zur Seite zu stehen udn hofen dass der andere die richtige Entscheidung trifft, sofern sie nicht vom Krnaken oder dem Sterbenden schon selbst im Vorfeld getrofffen wurde.

    Ich wünsche allen die in diese Lage geraten die nötige Kraft und Weitsicht die richtige Entscheidung zu treffen

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