Feindbilder und Selbstanalyse

Beer7, deren wohldurchdachte und besonnene Artikel ich gerne und oft lese, hat mich besonders durch diesen Artikel zum Nachdenken über Feindblider und eigene Positionen gebracht.
In dem beschriebenen Treffen einer israelisch-kanadischen Jüdin (Lisa) und einer schwedischen Konvertitin zum Islam in Schweden (Imaan) – beide Blogger – wird von einem anonymen Kommentator in Imaans Blog die Frage gestellt, ob es Imaan nicht störe, dass Lisa „Siedlerin“ sei.
Lisa lebt – aus ihrem Blog klar ersichtlich – in Tel Aviv – wie definiert anonymous damit das besetzte Gebiet? Offenbar als ganz Israel.

In die Köpfe der anonymen Tiradenschwinger (ich würde wetten, anonymous zählt dazu) kann ich mich nur sehr schwer versetzen. Die Feindbilder müssen tief sitzen, wenn es schon außergewöhnlich scheint, mit einer Jüdin an einem Tisch zu sitzen, wenn [alle] Siedler als negativ betrachtet werden und man das für normal hält.

Meine eigenen Positionen und deren Wandel im Lauf der Jahre habe ich bei der Reflexion Revue passieren lassen.

Siedler – Menschen die in den besetzten Gebieten leben (und schon die Definition der besetzten Gebiete ist nicht so ganz leicht, wie sie scheinen mag – die Grenzen von 1967 schließen z.B. de facto-Vororte von Jerusalem genannt Siedlungen [Maale Adumim] nicht mit ein) – sind nicht per se Fanatiker. Soweit, so stabil meine Ansicht, an der sich in den letzten Jahren nichts geändert hat.

Gleichwohl ich Israel schon lange liebe – die offene und auch offen aggressive Art (was sind doch Europäer manchmal Weicheier), die doch an der Tagesordnung ist, die Kollegialität, der Charme des Landes – hätte ich mich früher (ok, das ist jetzt wirklich relativ, sagen wir vor ein bis zwei Jahren) nicht als Zionistin bezeichnet. Für mich bedeutete Zionismus als Haltung die unterschwellige Forderung, alle Juden sollen nach Israel auswandern. So sehr ich Israel liebe, bin ich doch Europäerin. Aber je mehr Juden in Deutschland als Stellvertreter Israels zur Entgegennahme der oft antisemitisch motivierten Kritik herangezogen werden, desto mehr werde ich Zionistin. Wenn man sowieso der ewige Israeli ist, warum soll man dann bitte nicht auswandern? Nicht, daß ich das vorhätte oder gar anderen raten würde , nur die Rechtfertigung gewinnt an Substanz – mich wird man so einfach jedenfalls nicht los.

Was verbinde ich mit verschiedenen Stichworten?

„Die Araber als Gesamtheit“ – ein Oxymoron.

Palästinenser – Mißtrauen

Muslime – neutral: kommt immer auf den Menschen an- nebenbei haben Islam und Judentum vieles gemein. Mehr als man uns so zutraut. Und es gibt Dialog zwischenMuslimen und Juden auf gleicher Augenhöhe mit gegenseitigem Respekt des jeweils Anderen.

Philosemiten – bäh!

Im Laufe vieler Jahre immer ausgeprägter geworden ist meine Abneigung gegenüber dem Schubladendenken (kommt oft in immer neuen Moden) – auf allen Seiten.

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