Traurig, aber wahr

Von keinem meiner Studienkollegen ist von einer Zufriedenheit in ihrem klinischen Alltag zu erfahren – alle sind unzufrieden. Mir geht es da noch verhältnismäßig am besten. Ist doch immer wieder erstaunlich, was der Blick über den Tellerrand so bringen kann.

Als beleidigend wird von allen meinen klinisch tätigen Studienkollegen die Anspruchhaltung und der Ton vieler Patienten empfunden.

Dabei sei auch anegemerkt, dass sich der eigene Tonfall  durch Arbeitsklima und -last auch nicht eben an ein freundlicheres Ende bewegt.

Mehr als einen hat es aus der Klinik verschlagen.

Ich würde es wieder tun, wenn ich noch einmal von vorn anfangen könnte. Aber erschreckend fand ich es schon – nicht einmal 2 volle Jahre nach Studienende. Trotzdem werde ich so wie jetzt nicht auf Dauer weiterarbeiten.

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8 Antworten

  1. B“H

    Dass die Patienten nicht immer zimperlich mit dem Pflegepersonal umgehen, habe ich mir schon von einigen Krankenschwesterm anhoeren muessen.

    Wie reagieren eigentlich deine Kollegen darauf, wenn sie von deiner Religion hoeren ?

    Miriam

  2. Da wir ein kleines Haus sind war das relativ schnell klar (Neuigkeiten brauchen bei uns weniger als 1 Minute, um sich im gesamten Haus auszubreiten).

    Viele begreifen die Unterschiede nicht – nach 2 Jahren sind sie jetzt rel. dankbar, dass ich Dienst am 24.12. mache.

    Oft kam am Anfang „Dass iss aber mal was anderes“, wie überall wird man zunächst als Neue skeptisch betrachtet – und am Umgang sowie den Fähigkeiten (und beides zeigt sich in den handelsüblichen Diensten rel. schnell) gemessen.

    Der ein oder andere maulte auch und behauptete, er (und die anderen) müssten wegen mir mehr Samstage Dienst machen als gewöhnlich. Ich habe das zum einen durch eine klare Dienstplanstatistik widerlegt und mich zum anderen an der den Herren angreifenden Kritik der anderen gefreut (ich mache mehr Wochenenddienste als alle anderen). Der nämliche Herr hat mittlerweile auch in anderen Dingen sein wahres Gesicht gezeigt und ist in der Beliebtheitsskala in nicht messbaren Kellerstockwerken.

    Insgesamt arbeite ich einem recht toleranten Umfeld. Ich habe nicht das Gefühl, als würden sie mich anders behandeln als andere.

  3. B“H

    Mir ging es in Deutschland genauso. Niemand sagte etwas, doch musste ich immer wieder erklaeren, was koscher ist.:-)

    Miriam

  4. Ich bin schon auf die Gesichter gespannt, wenn ich am Sonntag vormittag nach dem Dienst in Harlekinskostum in Richtung Synagoge abrausche-;

  5. Einmal ein kurzer Kommentar zur Religion: ich bin evangelisch, frage grundsätzlich niemanden nach seiner Religion, von wohl 90% der mir bekannten Menschen weiß ich es nicht (von Priestern und Religionsfunktionären mal abgesehen), die erzählen nix und ich frage nix. Und wenn ich ganz angestrengt nachdenke bist Du wohl die zweite Jüdin, mit der ich in Kontakt gekommen bin (der vorherige Kontakt ist so ca. 35 Jahre her, der war aber noch im richtigen Leben, da gab es kein »virtuell«). Wäre ich also Kollege würde ich klären von wann bis wann den »Dein Sonntag« so wäre. Dann wär‘ aber auch gut. Und wenn ich mich erinnere: mehrere Neujahre. Da würde ich nur einmal oder erst gar nicht mehr fragen.

    An der Synagoge bin ich ein paar Mal vorbei gefahren. Ich bin nicht rein. Wahrscheinlich die Absperrungen und die Polizisten. Wirkt auf mich wie: »gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen und wenn doch zeigen Sie erst mal Ihren Ausweis, Sie behindern polizeiliche Ermittlungen.« Unter den Bedingungen würde ich überhaupt kein Gebäude zum Ansehen betreten. Für mich ist es eine Schande, dass so ein Polizeiaufgebot überhaupt sein muss. Ich war aber auch noch in keiner Moschee. Also es liegt nicht nur an den Grünröcken.

    In meiner Geburtsstadt ist eine große Blindenschule. Bis zum Wegzug mit fünf habe ich viele Blinde gesehen. Dann erst wieder 28 Jahre später (im Zusammenhang mit meiner Tochter).

    Wenn ich am 04.03. einen Harlekin sehe rufe ich »Medbrain?«. Aber die Stadt ist groß.

  6. B“H

    Das wuerde ich jetzt auch gerne sehen. 🙂
    War in Deutschland nicht gerade Fasching ? Vielleicht faellt es dann nicht so auf…..

    Ich hoffe, ihr habt eine tolle Megillah und viel Action in der Synagoge.

    Miriam

  7. Du schreibst: „Mehr als einen hat es aus der Klinik verschlagen.

    Ich würde es wieder tun, wenn ich noch einmal von vorn anfangen könnte. Aber erschreckend fand ich es schon – nicht einmal 2 volle Jahre nach Studienende. Trotzdem werde ich so wie jetzt nicht auf Dauer weiterarbeiten.“

    Welche Alternativen gibt es?

  8. Einige der Alternativen:

    Medizincontrolling (beschäftigt sich mit der Kodierung der Erkrankung in einem pseudoeffektiven System) – wird besser bezahlt und hat humane Arbeitszeiten (nur halt keinen Patientenkontakt, dafür aber eine verquere DRG Logik). Arbeiten in einer Naturheilpraxis (o. einer anderen Praxis in Sozietät – man kann Weiterbildung zu best. Dingen u. Zeiträumen auch in einer Praxis machen), bei einem Verlag (und das nicht nur med. Zeitschriften betreffend), Medizinhistorik, als Facharzt dann beim MDK (med. Dienst d. Krankenkassen, der über Kodierungen bzw. Bezahlungen mit Krankenhäusern u.a. streitet) und last but not least auch Berufswechsel.

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