Memento mori

In meiner Schulzeit konnte ich Lyrik keine Begeisterung aufbringen. Um ehrlich zu sein, hat der Deutschunterricht mir die deutsche Sprache eher vergält als sie mir nahe zu bringen. Heute bin ich durch Zufall auf ein Gedicht von Mascha Kaleko gestoßen – eine literaturhistorisch bewanderte Freundin hatte mir vor langem von ihr erzählt – ich hatte zugehört, es dann aber nicht weiterverfolgt. Mascha Kaleko hat eine interessante Biografie, sie hat u.a. in Berlin gelebt.

Ich habe oft mit bösartigen Erkrankungen zu tun und muss Patienten und ihren Angehörigen Dinge sagen, die unangenehm und schmerzhaft sind. Kraft kostet es mich jedesmal aufs neue. In Mascha Kalekos Gedicht „Memento“ finde ich meine Haltung zu Tod und Sterben wieder.

 

MEMENTO

 

 

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,

Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.

Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

 

 

Allein im Nebel tast ich todentlang

Und laß mich willig in das Dunkel treiben.

Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

 

 

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;

– Und die es trugen, mögen mir vergeben.

Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,

Doch mit dem Tod der andern muß man leben.

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