Zweiklassenmedizin und Politikerschelte

…nicht von mir, nein, von Herrn Prof.Dr. Lauterbach, seines Zeichens MdB, ein Politiker und Privilegierter.

In einem ausführlichen Spiegelartikel mit dem Titel „Unsere Gegner sind die Patienten“ legt er in Kürze seine Ansichten dar, die er auch in seinem Buch „Der Zweiklassenstaat. Wie die Privilegierten Deutschland ruinieren“ gewinnträchtig veröffentlicht hat. Minus ein paar deutliche Zitate aus einem Internetforum von Fachärzten.

Nicht, dass ich für sogenannte Nestbeschmutzer  nicht einen Funken Sympathie übrig hätte, nur schreit am lautesten aus dem Artikel, was er nicht schreibt: dass er selbst auf vielfache Weise Teil der gescholtenen Masse ist: Universitätsprofessor, Facharzt, Politiker (und als solcher in gestaltender Weise), Privatversicherter (ok, das ist eine Annahme) und Privilegierter. Was er gegen die von ihm geklagten Mißstände tut (außer mit dem Finger auf andere zu zeigen), wird aus dem Spiegelartikel zumindest nicht klar.

Ausbeuterisch für die Armen und verschwenderisch für die Privilegierten sei der deutsche Staat.  Wenn ich so betrachte, wer sich in Krankenhäuser legt statt ambulante Diagnostik durchführen zu lassen (und im Gegensatz zu Lauterbachs unbelegten Behauptungen geht das sehr wohl) und dabei das Geld der Solidargemeinschaft verschleudert, wird mir schlecht.

Wenn Herr Lauterbach etwas ändern möchte, kann er seine Privilegien ja abgeben – wie auch einen Teil seines Gehalts, freiwillig. Wäre bestimmt eine tolle Wahlkampfstrategie.  Oder erkönnte in den vielen Gremien, in denen er sitzt, etwas verändern.

Wieso ich nicht glaube, dass das geschehen wird?

Advertisements

5 Antworten

  1. Die Forderungen an Lauterbach sind schlichter Populismus, selbst wenn er sie alle erfüllte: das bringt nix. Manche seiner Gedanken sind schlicht zutreffend, manche sind ebenfalls nicht mehr als Populismus. Damit gewinnt man bestenfalls aber die Lufthoheit über Stammtischen.

    Intelligente Konzepte für die Gesundheitspolitik der Zukunft setzen voraus, dass keine der handelnden Persönlichkeiten zu haben scheint: Mut und Weitblick. Vielleicht braucht es zusätzlich sogar noch Macht, ein Pfuiwort in einer Demokratie, ein Pfui-Bäh-Wort in der Selbstverwaltung.

    Was bleibt ist weiter nur das Flicken der gröbsten Löcher, wie auf einer verkommenden Landstraße. Dabei darf man nicht vergessen: das Gesundheitssystem in Deutschland braucht weltweit keinen Vergleich zu scheuen, es ist für die Nutzerinnen und Nutzer eines der besten der Welt (wenn es nicht sogar auf Platz 1 steht!). Und wem das nicht passt bleibt der Rat: geht doch rüber. Haben damals wenige gemacht, machen heute auch nur wenige. Und sie wissen warum.

  2. Es ging mir darum, die Verlogenheit seiner Thesen darzustellen. Er selbst hat ja eben die Positionen, der Inhaber er kritisiert. Warum hat er nichts anders gemacht?

  3. Das ist ja häufig so: viele Menschen ignorieren vor allem ihre eigenen guten Ratschläge an andere Menschen. Ärzte haben geraucht und Enthaltsamkeit gepredigt, Fettlebe ohne Sport und Vorträge gegenüber Patienten, und natürlich auch alles umgekhrt. Und Politiker reden von Moral. Und Journalisten schreiben schlecht über Alkoholismus. Der Mensch als solcher ist schlicht irrational, manchmal aber auch gerade deswegen so liebenswert, so einzigartig, so wunderbar.

    Ich kenn‘ den Lauterbach nur von seinen Veröffentlichungen und den Sprüchen, nichts reizt mich mit ihm Wein trinken zu gehen. Aber da gibt es andere, mit denen ich kaum eine Meinung teile, aber mit denen würde ich gerne mal einen Schoppen …

    Das Gesundheitswesen in D ist ein Irrenhaus. Und ich bin ziemlich mittendrin. Und wenn der Schmerz nachlässt ist es wunderbar.

  4. Es ist wirklich ein Irrenhaus!

    Herr Professor Dr. Karl Lauterbach ist laut seiner eigenen Auskunft neben seiner Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter insgesamt in fünf „Nebentätigkeiten“ der Stufe 3 „verwickelt“. Stufe 3 bedeutet: Er erhält dafür mehr als 7500 € (ob im Jahr oder im Monat konnte ich nicht feststellen). „Mehr als 7500“ kann auch eine oder zehn Millionen Euro heißen. Drei Krankenkassen (die Barmer, die AOK Rheinland und die AOK Bayern) spenden die Beiträge ihrer Mitglieder für „wissenschaftliche Beratertätigkeit“ an den Kollegen Lauterbach.

    Das Klinikum Bremen Mitte lässt sich nicht lumpen und gibt auch mehr als 7500 € für ihren Berater.

    In der Klinik-Kette „Rhön Klinikum AG“ sitzt Kollege Lauterbach im Aufsichtsrat. Dort hat er im Jahre 2006 ein Fixum von 9000 € und eine ergebnisabhängige Zulage von 20.000 E erhalten. Das kann man im Rechenschaftsbericht der Rhön Klinikum AG nachlesen. (2006 war ein mageres Jahr, 2005 erhielt der Gesundheitsexperte 44.000 €.) Das Gesundheitsministerium springt dafür mitunter der Klinikkette bei, wenn es um Hilfe gegen das Kartellamt geht, berichtet das Deutsche Ärzteblatt.

    Und dann ist Herr Professor Dr. Karl Lauterbach auch noch Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO) in Bonn.

    Und dann hat Herr Lauterbach auch noch ein Buch geschrieben….

    Und dann sitzt er auch noch als Abgeordneter im Bundestag. (Und er ist noch verheiratet und hat vier Kinder und, und, und …).

    Irgendwie glaube ich nicht, dass das Mitglied des Bundestags Dr. Karl Lauterbach (SPD) alle diese Aufgaben konfliktfrei, überzeugend und ehrlich erfüllen kann. (Ich habe ihn einmal im Fernsehen auf WDR 3 gesehen, da wollte er unbedingt wissen, welchen Wagen der Allgemeinarzt Martin Grauduzus fährt. Als ihm der nicht dick genug erschien, wollte er was von seinem Boot wissen! Grauduszus hatte keins).

    Ich weiß auch nicht, wie viele Stunden der Tag des Professors Lauterbach hat….

  5. Danke für die ausführliche Recherche!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: