Von höflichen und unhöflichen Menschen

…wissen Ärzte ein Lied zu singen, die hausärztliche Notdienste tun. Gedacht ist dieser für Notfälle, die nicht bis zum nächsten Tag bzw. den nächsten Öffnungszeiten der Praxen warten können. Was man so zu hören bekommt, wenn man einen solchen Notdienst macht, ist schon erstaunlich. Hier ein paar Beispiele:

„Fr. Dr., mir geht es soo schlecht, ich habe eine schwere Erkältung!“ 

 – „Kommen Sie bitte um 15 Uhr in die Praxis, vorher bin ich auf Hausbesuch“

„Was?! So lange kann ich nicht warten!“

 – „Wie lange haben Sie denn die Erkältung schon?“

„Drei Tage!“

 – Warum sind Sie nicht zu Ihrem Hausarzt?

„Sie wollen ja bloß nicht zu mir kommen!“ 

Ich gehe mit solchen Erkältungen noch arbeiten. Das habe ich in dem Fall nicht gesagt. Und es war nur eine von unzähligen Unverschämtheiten. Lange mache ich solche Dienste nicht mehr. Wenigstens einen freundlichen Ton könnten sich solche Herrschaften angewöhnen.

Man wird sich in Deutschland noch wundern, wenn der Notdienst und auch die Krankenhäuser in den Händen im Ausland schlecht ausgebildeter Ärzte ist, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind – was vielerorts ja schon der Fall ist.

Ah, und die Patienten mit den schwersten Erkrankungen waren in diesem Dienst die höflichsten. Da stehe ich dann gerne auf.

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2 Antworten

  1. Ganz Deiner Meinung! Huch? Aber was tun? Hohe Selbstbeteiligung für Notdiensteinsätze? Arzt entscheidet vor Ort ob GKV bezahlt oder Patient alle Kosten selbst tragen muss? Arzturteil auch Verbot für PKV zu erstatten damit Gleichbehandlung erreicht wird? Oder wie bisher: Arzt urteilt aber behält weiße Hände, alle Schmutzarbeit den Krankenkassen und der Politik? Ich mein‘ ja nur …

  2. Dass wir uns noch mal einer Meinung sind!*grins* – und auf in eine neue kontroverse Diskussion – oder auch nicht.

    Beim Schreiben habe ich überlegt, was man ändern könnte und bin zu keinem Schluß gekommen.

    Ich kenne ja nun die ambulante wie auch die stationäre Seite der „ärztlichen Tätigkeit“ um es einmal hochtrabend zu formulieren. Wo „wirklich Kranke“, also echte Notfälle nachts besser aufgehoben sind ist eine Fall-zu-Fall-Entscheidung.
    Fälle wie akute Dyspnoe [Luftnot], akute Bäuche oder klare Einweisungsgründe bedürfen m.E. keines Hausbesuches sondern mehr des Rettungsdienstes, der sie in ein KH bringt. Daß da ein Arzt vor Ort eine Einweisung ausfüllt ist quatsch und verzögert nur die Behandlung. Es wird einem oft als Faulheit ausgelegt.

    In größeren Städten würde ich für eine Notdienststruktur plädieren, wie es sie mancherorts schon gibt: einer ist in Praxisräumen, alles, was laufen kann, wird dorthin bestellt. Ein Zweiter ist mit Auto auf Hausbesuchen unterwegs. Aber das ist dann ein Gemeinschaftsprojekt der Niedergelassenen, einzelne können sich das nicht leisten.

    Hohe Selbstbeteiligung für Notdiensteinsätze finde ich nicht gut. Ich habe gerade in den letzten ambulanten Diensten Menschen gesehen, denen von KH die Aufnahme abgelehnt wurde unter Etiketten wie „Wir können nichts für Sie tun, Sie sind austherapiert [Krebspatient mit Übelkeit und Erbrechen – natürlich hätte man ihn aufnehmen und ihm Flüssigkeit geben müssen!]“, „Sie sind ein hoffnungsloser Fall“ [Krebspatient mit ausgeprägten Schmerzen – ich bin hingefahren und habe ein handelsübliches Medikament gespritzt, die andere Med. angepasst und mit dem Pat. ein paar Worte geredet und die Hand gehalten – klingt oll, hat ihm aber wenigstens die Hoffnung auf Schmerzfreiheit und Nicht-Aufgegebensein wiedergegeben]. Ich habe auch kein Problem, mit einem depressiven Menschen über Therapieoptionen und Notwendigkeit zu sprechen, was manche rundheraus ablehnen („Ich bin doch kein Neurologe/Psychiater“). Höhere Beiträge wären zu blamabel für meine Zunft.

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