„Wir sind in Deutschland auf diese Situation gut vorbereitet“

…schreibt das Bundesministerium für Gesundheit auf seiner Homepage in Bezug auf die Schweinegrippe.

Die durch das RKI empfohlenen Maßnahmen werden eingehalten, aber wie immer auf kuriose Weise. Die Theorie ist klar und wird entsprechend weitergegeben. De facto ist aber unklar, wer die Kosten für Schnelltest und PCR trägt. Aktuell handhaben das die meisten „Hausärzte“ in der Umgebung unserer Klinik so, daß sie Patienten vorsichtshalber gar nicht erst behandeln sondern wie im KV-Notdienst bereits weidlich praktiziert mit der Bemerkung „Gehen Sie gleich in die Notaufnahme“ an uns weiterreichen, damit die Kosten sie ja nicht treffen. Natürlich wird eine Meldung an das Gesundheitsamt von den Hausärzten damit tunlichst vermieden.

Als ich bei einer der Verteiler auf die Krankenhäuser auch Hausärzte genannt anrief, das Ergebnis des Schnelltestes weitergab und mich traute, nachzufragen, warum man denn nicht selbst einen Schnelltest gemacht oder gemeldet habe, bekam ich zur Antwort, der Schnelltest müsse vom Patienten getragen werden und die Klientel am Ort sei nicht bereit, dies zu tun. Da man sich mit seinen Patienten nicht über monetäre Angelegenheiten streiten wolle, habe man die Patientin zu uns geschickt.

Nach Auskunft der Bürgerhotline werden die jeweiligen Tests – sofern medizinisch notwendig – durch die Krankenkassen getragen (bei Privatversicherten abhängig vom Vertrag).

Wie immer werden wir uns nicht mit der Hand streiten, die uns füttert (und ein Krankenhaus lebt ja von den Einweisungen der Niedergelassenen), aber unsauber ist das Weiterreichgebaren dennoch.

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3 Antworten

  1. Ich kann Deinen Ärger diesebezüglich verstehen, aber versetz Dich auch mal in die Lage der „Gegenseite“:
    Ich bin als Neurologe zum KV-Dienst verdonnert. Als Neurologe hat man mit sowas im Alltag überhaupt nichts zu tun. Ich habe also weder FFP2-Maske, noch Schutzkittel und schon gleich gar nicht Schutzbrille und Probenentnahme-Röhrchen. All dies müsste ich mir anschaffen für die unwahrscheinliche Eventualität, dass in meinem Notdienst ein Abstrich zu machen ist. Auf den Kosten bleibe ich sitzen.
    Ich hatte zuletzt Ende Juni Notdienst und mich wirklich darauf vorbereitet. Da ich aber einen guten Draht zu Klinik vor Ort habe, hatte ich die Gerätschaften „on demand“ zur Verfügung – das ist für mich sinnvolle „integrierte Versorgung“. Ein bißchen blöd kam ich mir dann schon vor, als ich später von den hiesigen Hausärzten erfuhr, dass sie die Absprache getroffen hätten „draußen“ keine Abstriche zu machen, sondern ins Krankenhaus zu schicken. Da kann ich Dich wieder gut verstehen, denn für was schimpfen die sich „Hausärzte“?
    Gruß Dr. Geldgier
    http://drgeldgier.wordpress.com/

  2. Haha! Du glaubst doch nicht wirklich, wir agierten mit einer FFP3-Maske? Unsere Minipapiervariante (erinnert mich an Seidenpapier) schützt nicht mal den Patienten vor uns geschweige denn umgekehrt…

    Mittlerweile habe ich aber dennoch mehr Mitgefühl mit den Hausärzten – denn wenn Sie sich über die PCR streiten mit den Krankenkassen bleiben sie ja je nach Budget auch auf diesen Kosten sitzen…nur nimmt die Mentalität des „Abschiebens“ schon immer mehr zu und davon wird das System ja auch nicht gesünder.

  3. Gestern habe ich erstmals FFP3-Masken in der Klinik gesehen – man hat also nachgerüstet….nach ich weiß nicht wie vielen H1N1-Verdachtsfällen.

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