Pennertaxe

..ist der politisch sicherlich nicht korrekte , aber selbstgewählte Ausdruck der Berliner Feuerwehr für ihren Rettungsdienst. Da ich in Berlin selbst keine notärztliche Tätigkeit ausübe, ist mir die Zusammenarbeit mit dem Berliner Rettungsdienst bislang meist erspart geblieben. Vor ein paar Wochen war ich im brandenburgischen Randgebiet zu Berlin tätig und erhielt einen Einsatz in Brandenburg, zu dem die Berliner Feuerwehr ebenfalls ausrückte. Eine ältere, angetrunkene Dame hatte einen Krampfanfall erlitten. Bei Eintreffen war sie – wie es meist der Fall ist – bereits wieder ansprechbar. Anwesend war eine ebenfalls angetrunkene ältere Dame, die den Rettungsdienst alarmiert hatte. Immerhin, Blutdruck und Puls der Patientin waren bei unserem Eintreffen schon gemessen, Sauerstoffsättigung im Blut mit 91% etwas erniedrigt. Mein Rettungsassistent meinte zu seinem Berliner Kollegen „Blutzucker kannst Du ja dann aus der Flexüle machen.“ – „Ich brauche doch keine Flexüle für einen BZ!“ war die entrüstete Antwort, die mir entging. Nach Befragung der Patientin, die den Verdacht auf akute Suizidalität ergab, war klar, wir nehmen sie mit. „Ich hole mal den Tragestuhl“ sprach Rettungssanitäter und verschwand, bevor ich anwies, die Patientin im RTW auf die Trage zu legen. Im RTW wollte er mir die Patientin (Z.n. Krampfanfall, eingeschränkte Sauerstoffsättigung) in die Ecke vorne links auf dem Tragestuhl lassen. „Die Patientin geht auf die Trage“ wies ich an. Verdutzter Blick, Nachfrage „Auf die Trage?!“ – „Ja, auf die Trage! Dann legen wir eine Flexüle.“ – „Aha.“ (Dachte ich auch). Die Idee, eine alkoholisierte Patientin mit einer eingeschränkten Sauerstoffsättigung ohne venösen Zugang in die Ecke zu platzieren erscheint dem erfahrenen Rettungsassistenten/Arzt doch eher abstrus – sie kann jederzeit wieder krampfen, im Extremfall eines Status epilepticus müsste man in Bereitschaft einer Barbituratnarkose sein. Wenn man im Ausnahmefall einem Patienten mit desolatem Venenstatus keinen venösen Zugang legen kann (und man ihn/sie noch nicht mit einem intraossären Zugang versorgen muss), ist es eine Möglichkeit, ihn einzupacken und schleunigst in eine Rettungsstelle zu verfrachten. Aber das sollte bitte nicht erste Wahl sein. Unsere Patientin hat dann im Krankenhaus auch noch erzählt, daß sie zusätzlich ein Benzodiazepin eingenommen hatte (was die erniedrigte Sauerstoffsättigung erklärt und ein erhöhtes Risiko für ein „Atemversagen“ bedeutet).

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: