Leitlinien…und wie man kreativ damit umgehen kann

DocClever:“Man muß doch nicht bei jedem Rektumcarcinom eine Rektoskopie machen!“

DocSmart:“Doch, so steht´s in den Leitlinien!“

DocSuperClever:“Dann nehmen Sie halt ihren Finger – der ist ja auch starr“!

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Über das Konsil-Unwesen

wenn ich  in den üblichen Stationsturbulenzen  nahezu versinke und etwas aufbauendes suche, werfe ich einen Blick in die anstehenden internistischen Konsile, die bei uns leider assistenzärztliche Aufgabe sind, die ich aber nicht erledigen muß, wenn ich auf einer großen Station bin.  Noch immer habe ich mich anschließend über die Stationsarbeit gefreut. Hier einige Beispiele aus der Kuriositätenkiste (alles „Fragestellungen“):

  • Geschmacksverlust nach Darmgrippe –  denjenigen, der ein solches Konsil eingibt, suche ich immer noch
  • Komisches EKG – wie war das noch mit dem Medizinstudium und den Examina?
  • Luftnot, bitte schnell kommen  – auf Rückfrage, wie schnell gab es die Antwort, das könne man nicht so genau sagen, man habe den Patienten ja schließlich nicht gesehen

Besonders beliebt ist die Variante, wenn man einen von uns gerade gesprochen und sein Konsil gelesen hat, gleich den nächsten anzurufen mit derselben Fragestellung. Rekord waren hier 3 Konsile bei ein und demselben Patienten in weniger als 24 h…..

Über volkstümliche Irrtümer in Bezug auf moderne Medizin (2)

Krankenhäuser sind keine Orte,

  • an die man geistig klare alte Verwandte bringen sollte, deren letzter Wunsch es ist, Zuhause zu sterben
  • an denen sich selbst limitierende Erkrankungen wie die meisten Formen der Gastroenteritis alias „Darmgrippe“ geheilt werden können (die limitieren sich selbst): wegen Durchfall und 2fachem Erbrechen (an dem schon der größte Teil der Familie vor einem gelitten hat) dort nachts (von 23 bis 8 Uhr) aufzutauchen ist eher peinlich
Abteilungen für Innere Medizin
  • haben für nominell erwachsene Patienten (18 Jahre und älter) keine Möglichkeiten eines Rooming-In: Jungs, Mutti muß wie andere Besucher auch spätestens um 22 Uhr gehen!
  • sind keine Horte von Under-Cover Psychiatern: nach Ausschluß organischer Erkrankungen wird man aus Ihnen entlassen
  • können primär kein Globusgefühl im Bereich des Rachens abklären, nicht morgens um 11 uhr, nicht nachts um 23 Uhr: das machen HNO-Abteilungen (je später der Abend, desto geringer die Begeisterung übers Auftauchen)
  • können kein Nasenbluten stillen: auch das fällt in den HNO-Bereich

    Eine Chefvisite der anderen Art

    DocChefSmart: „Wie geht es Ihnen den heute?“

    Patient O.Berclever : „Gar nicht gut, ich habe solche Schmerzen im Knie!“

    DocSmart:“Aber bei der Visite vor 20 Minuten ging es Ihnen doch gut – Jedenfalls haben Sie das auf Nachfrage gesagt..“

    DocChefSmart:„Ja ja, das machen die Patienten so, immer wenn der Chef kommt, müssen sie für den eine neue Beschwerde haben – aber keine Sorge, ich war ja auch mal Assistenzarzt, ich weiß das schon!“

    Patient O.Berclever: „Na ja, so schlimm sind die Schmerzen auch nicht, nur ein bißchen..“

    Über volkstümliche Irrtümer in Bezug auf moderne Medizin (1)

    Da es manchmal Mißverständnisse über Einweisungsgründe und Erwartungshaltungen mancher Angehörigen gibt, sei hier ein paar der häufigeren ausdrücklich wiedersprochen.

    Wenn man Angehörige befragt, weswegen sie einen Patienten ins Krankenhaus bringen oder gar einweisen lassen, hört man oft Dinge wie

    – „Der muss doch Infusionen kriegen!“

    „Weswegen denn?“

    – „Der war doch so schwach in letzter Zeit!“

    • Infusionen sind entgegen dem scheinbar landläufigen Glauben kein Allheilmittel. Im Gegenteil, für einen herzkranken Menschen können sie u.U. schädlich sein. Ein Patient kann eine Braunüleninfektion davon tragen. Bevor man also Infusionen anordnet muß man Diagnostik betreiben.
    • Alte Menschen ziehen sich in Krankenhäusern nicht selten Lungenentzündungen zu.

    Außerdem gilt:

    • Krankenhäuser sind keine Kuranstalten.
    • Krankenhäuser sind keine Jungbrunnen
    • In Krankenhäusern befinden sich manchmal wirklich kranke Patienten: darüber zu jammern, daß man selbst oder ein Verwandter neben einer vor Schmerzen stöhnenden alten Dame liegt, ist geschmacklos
    • Alkohol- und Drogenabhängigkeiten werden nicht in Kuranstalten therapiert
    • Einen Rausch im Krankenhaus auszuschlafen ist eher peinlich: wer sich schon besäuft, möge das bitte so tun, daß er sein eigenes Bett noch erreichen kann
    • Für einen Kater nach einem Rausch gibt es von vernünftigen Doktors keine Schmerzmedikamente!

    Fortsetzung folgt…