Communication Problems

Im Krankenhaus gibt es sicher mehrere Kommunikationsschwierigkeiten. Eine davon ist mir in den letzten Monaten sehr deutlich geworden.

Der Arzt – mit viel Engagement und Energie – erklärt etwas, kann aber trotz der guten Absicht die Fachsprache nicht ganz beiseite lassen und setzt die Kenntnis von Zusammenhängen voraus, über die der Patient jedoch nicht verfügt. Der Patient versteht die Fachsprache nicht wirklich und damit auch nicht, was der Arzt von ihm möchte oder – schlimmer noch – wo die Gefahren seiner Krankheit liegen.Daß der Zeitdruck bei schlechter Besetzung diesem Problem keine Abhilfe schafft, kommt noch hinzu.

Sicher waren mir beide Tatsachen klar, als ich in den Beruf gestartet bin. Aber als ich vor ein paar Monaten mehreren Bekannten mit hohem Bildungsniveau für mich einfache und klare Zusammenhänge  – ohne den Gebrauch von medizinischem Vokabular – nicht begreiflich machen konnte und sie mir erklärten, ich müsse mich meinen Patienten noch einfacher ausdrücken, habe ich das versucht – mit Erfolg. Die Mehrheit meiner Patienten weiß jetzt, was ich erreichen möchte und was sie dafür tun müssen. Sie fühlen sich im wesentlichen gut betreut und ich habe verständige Kooperationspartner bei meiner Diagnostik.

Über volkstümliche Irrtümer in Bezug auf Assistenzärzte (1)

Da ich mir gerade über meine eigene Vorstellung meines Berufs und der von Angehörigen meiner Patienten und der Patienten selbst Gedanken mache, hier der Versuch dessen, was ich nicht sein möchte, wofür ich aber in einigen Fällen gehalten werde:

Assistenzärzte sind nicht

  • Menschen, an denen man seine schlechte Laune und seinen Frust hemmungslos auslassen kann
  • Marionetten, die auf Wunsch alles stehen, liegen, fallen lassen können, um mit Angehörigen zu sprechen – unsere vorrangige Aufgabe ist Behandlung von Patienten
  • überbezahlte Faulenzer, sondern Menschen, denen ihre Patienten im Idealfall am Herz liegen und die für ihre Patienten die idealen Vorraussetzungen zu Diagnostik und Therapie schaffen wollen
  • Menschen, die Diagnostik und Therapie festlegen können und die Verantwortung für Patientenentscheidungen übernehmen – im Zeitalter des informierten Patienten muß dieser die Verantwortung nach adäquater Aufklärung selbst tragen – wir beraten.

Damit wir uns nicht falsch verstehen – speziell mit mir dürfen meine Patienten gerne kontrovers diskutieren, aber auf Dauer Abputzer für anderer Leute schlechte Laune möchte ich nicht sein.

Über volkstümliche Irrtümer in Bezug auf moderne Medizin (1)

Da es manchmal Mißverständnisse über Einweisungsgründe und Erwartungshaltungen mancher Angehörigen gibt, sei hier ein paar der häufigeren ausdrücklich wiedersprochen.

Wenn man Angehörige befragt, weswegen sie einen Patienten ins Krankenhaus bringen oder gar einweisen lassen, hört man oft Dinge wie

– „Der muss doch Infusionen kriegen!“

„Weswegen denn?“

– „Der war doch so schwach in letzter Zeit!“

  • Infusionen sind entgegen dem scheinbar landläufigen Glauben kein Allheilmittel. Im Gegenteil, für einen herzkranken Menschen können sie u.U. schädlich sein. Ein Patient kann eine Braunüleninfektion davon tragen. Bevor man also Infusionen anordnet muß man Diagnostik betreiben.
  • Alte Menschen ziehen sich in Krankenhäusern nicht selten Lungenentzündungen zu.

Außerdem gilt:

  • Krankenhäuser sind keine Kuranstalten.
  • Krankenhäuser sind keine Jungbrunnen
  • In Krankenhäusern befinden sich manchmal wirklich kranke Patienten: darüber zu jammern, daß man selbst oder ein Verwandter neben einer vor Schmerzen stöhnenden alten Dame liegt, ist geschmacklos
  • Alkohol- und Drogenabhängigkeiten werden nicht in Kuranstalten therapiert
  • Einen Rausch im Krankenhaus auszuschlafen ist eher peinlich: wer sich schon besäuft, möge das bitte so tun, daß er sein eigenes Bett noch erreichen kann
  • Für einen Kater nach einem Rausch gibt es von vernünftigen Doktors keine Schmerzmedikamente!

Fortsetzung folgt…