Maßnahmen gegen den Ärztemangel

In Deutschland hat man mittlerweile den Ärztemangel registriert und selbst der Politik und Verantwortliche des Gesundheitssystems beginnen zu verstehen, daß „man“ etwas tun muß. Aus der Klinik hätte ich da ein paar Vorschläge zur Verbesserung der Attraktivität der ärztlichen Tätigkeit:

1. Bestrafung für Dienste abschaffen:

Je mehr Dienste man macht, desto mehr Minusstunden sammelt man an, da man ja „abfeiert“, also am Folgetag nicht arbeitet. Das ist schon legal, nur attraktiv ist es eben nicht. In der Klinik, in der ich arbeite, sammeln diejenigen, die wenige Dienste machen, Überstunden und nehmen Freizeitausgleich, während diejenigen, die viele Dienste machen, Minusstunden ansammeln und ihnen dann auch vorgeworfen wird, halbe oder ganze Montasgehälter zu schnorren!

2. Rückendeckung bei unberechtigten Beschwerden:

Es macht keinen Spaß, als Prellbock für Angehörige und Patienten zu dienen und anschließend für unberechtigte Beschwerden zitiert zu werden und sich obwohl man im Recht ist, entschuldigen zu müssen! Zeigt doch endlich mal Rückgrat! Allgemeine Regeln des Anstandes gelten nicht nur für Ärzte, sondern auch für Angehörige und Patienten.

3. Traut Euch endlich, den Patienten und ihren Angehörigen zu sagen, daß die derzeitige Anspruchshaltung ohne einen wesentlichen Anstieg der Kosten nicht erfüllt werden kann:

Ein grippaler Infekt oder ein Beratungsgespräch, weil es einem gerade einfällt, müssen nicht im Notdienst stattfinden! Rückenschmerzen kann man auch durch den Kauf und die Einnahme von Schmerzmitteln lindern – dazu muß man nicht Notaufnahmen von Krankenhäusern blockieren! Rettungswagen sind keine Taxis!

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Jetzt reicht´s!

Mit besonderer Freude habe ich heute meine Registrierung in der britischen Ärztekammer erneuert, denn die Arbeitsbedingungen und Erwartungshaltungen an die Abputzer des Gesundheitssystems haben ein Ausmaß erreicht, das die Auswanderung ins europäische Ausland verlangt. Aufgrund meiner Englischkenntnisse und bereits seit der Approbation bestehenden Mitgliedschaft in der britischen Ärztekammer wird das in meinem Fall Großbritannien sein. Es lebe die europäische Freizügigkeit! Ich werde so schnell wie möglich meinen Facharzt machen, um dann zu verschwinden.

Das Ausmaß der Unverschämtheiten im Notdienst nimmt nicht ab, sondern zu. Natürlich ist der Notdienst wie auch der Klinikdienst in Relation zur geleisteten Arbeit schlecht bezahlt. Die Erwartungshaltung der Patienten ist ungeheuerlich. Für einen Harnwegsinfekt, der seit 3 Tagen besteht, wird nachts (um 3 Uhr morgens präziser gesagt) ein Arzt angerufen.

Die Patienten werden in wenigen Jahren sehen, wie sie versorgt sind: von ausländischen Ärzten, die man ausnutzen wird und deren Sprachkenntnisse oft direkt proportional zu ihren Fachkenntnissen sind. Deren Anzahl wird im Gegensatz zur Zahl derjeniger ausländischen Ärzten mit gutem medizinischem Niveau, von denen ich nicht wenige kenne und von denen ich viel gelernt habe, zunehmen. Auf einer der Stationen meiner neuen Stelle wurde ich freudig mit den Worten „Ah, mal jemand, der der deutschen Sprache mächtig ist!“ begrüßt – und das in einem mittelgroßen Krankenhaus.

Man weiß auf oberer Ebene durchaus, daß die Arbeitsbedingungen selbst den größten und zähesten Idealisten vergraulen können:

„Mehr als jede zweite Klinik in Ostdeutschland könne offene Arztstellen nicht besetzen, im Westen seien es 24 Prozent. Hoppe: «Zu wenige sind bereit, sich dauerhaft in die Patientenversorgung zu begeben.» Der Arztberuf mache einfach «keinen Spaß» mehr.

Die Ärztefunktionäre machten vergleichsweise schlechte Arbeitsbedingungen, schlechte Bezahlung und hohe Belastungen für die Missstände verantwortlich. Hoppe sprach von unbezahlten Überstunden im Wert von 1,2 Milliarden Euro. Köhler sagte: «Deutsche Ärzte arbeiten in der Woche im Durchschnitt 50,6 Stunden» – zehn Stunden mehr als andere EU-Spitzenreiter. Dazu komme, dass «die Hierarchien im Krankenhaus stärker ausgebildet sind als im Militär».“

Und nicht nur das – bei den oben genannten Arbeitsbedingungen fresse ich auch noch die Launen von unverschämten Angehörigen! Leute, was glaubt Ihr eigentlich, mit wem ihr es zu tun habt? Mit mir macht ihr das nicht mehr lange!

Alles, was ich wollte, war ein einigermaßen höflicher Umgangston. Aber das war scheinbar zu viel verlangt.

Wenn mein Zorn wieder abgekühlt ist, werde ich berichten, was mich derart auf die Palme getrieben hat.

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