Der kleine große Unterschied

Fachspezifisch ist die Anästhesie das kleinere Fachgebiet im Vergleich zur Inneren Medizin. Sie ist aber wesentlich präziser in ihrem Wissen um die (in der Anzahl deutlich geringeren) Medikamente. Nie waren mir die Haupt- und Nebenwirkungen, die ich angewendet/verordnet habe so klar wie jetzt. In der Inneren Medizin verordnet man eine Fülle von Medikamenten – deren Nebenwirkungen, Interaktionen und Dosierungen man so lange nachsieht, bis man diejenigen der gängisten auswendig kennt. Man kann aufgrund der Vielzahl unmöglich alle Haupt- und Nebenwirkungen in- und auswendig kennen. Nachsehen wäre in der Anästhesie unmittelbar vor der Anwendung eher peinsam – äh, entschuldigen Sie mich kurz, ich muß mal kurz nachsehen, welchen Cocktail ich Ihnen gleich verabreiche – wohl eher nicht…

Nein, ich habe nicht vergessen, daß die genaue Wirkungsweise der meisten Narkotika nicht bekannt ist. Narkotika sind aber nicht die einzigen Medikamente, die man während einer Narkose verabreicht.

Man versorgt seinen Patienten an einem sehr empfindlichen Punkt von der Prämedikation bis zur postoperativen Visite. Die sensibelsten (wenn man jetzt mal nur den eigentlichen Anästhesieteil betrachtet und die Intensivmedizin ausklammert) hiervon sind Ein- und Ausleitung sowie Durchführung einer Narkose. Die Reibungsfläche mit Patienten und Angehörigen ist extrem gering – man tut etwas, das gewünscht ist (in aller Regel erfüllt man den klaren Zielauftrag).

In der Inneren Medizin hat man oft genug keinen oder zumindest keinen erfüllbaren Zielauftrag. Was man empfiehlt/verordnet wird in den seltensten Fällen befolgt/eingenommen. Schuld ist….aber selbstverständlich, der Doktor!

Die Arbeitszeiten – könnten nicht unterschiedlicher sein! In der Anästhesie die geregelte, früh beginnende Arbeitszeit – in der Inneren Medizin die vielleicht früh beginnende aber sicher nur in den seltensten Fällen pünktlich endende Arbeitszeit. Angehörige arbeiten ja auch und wollen gerne Auskunft haben – am liebsten nach 16 Uhr – meist im Dienst, geht halt manchmal nicht anders.

Wenn man in einer anästhesiologischen Abteilung arbeitet, in der man nicht die Rettungsstelle (eines der letzten verbliebenen „Ostworte“ für Notaufnahme) eines in Anzahl  hausärztlich schlecht über die Qualität der wenigen verbliebenen die sich alles leisten können schweigen wir auch lieber versorgten Flächenlandes oder einer Großstadt mit anspruchsvollem Patientengut befindet, der sich nicht mit Bagatellerkrankungen befassen muss, bleibt einem das Gejammer Wehklagen der Patienten auch dort erspart. Rettungsdienst kann dann zu einer meist gut bezahlten Nebentätigkeit z.B. in einem Flächenland werden.