„Wir sind in Deutschland auf diese Situation gut vorbereitet“

…schreibt das Bundesministerium für Gesundheit auf seiner Homepage in Bezug auf die Schweinegrippe.

Die durch das RKI empfohlenen Maßnahmen werden eingehalten, aber wie immer auf kuriose Weise. Die Theorie ist klar und wird entsprechend weitergegeben. De facto ist aber unklar, wer die Kosten für Schnelltest und PCR trägt. Aktuell handhaben das die meisten „Hausärzte“ in der Umgebung unserer Klinik so, daß sie Patienten vorsichtshalber gar nicht erst behandeln sondern wie im KV-Notdienst bereits weidlich praktiziert mit der Bemerkung „Gehen Sie gleich in die Notaufnahme“ an uns weiterreichen, damit die Kosten sie ja nicht treffen. Natürlich wird eine Meldung an das Gesundheitsamt von den Hausärzten damit tunlichst vermieden.

Als ich bei einer der Verteiler auf die Krankenhäuser auch Hausärzte genannt anrief, das Ergebnis des Schnelltestes weitergab und mich traute, nachzufragen, warum man denn nicht selbst einen Schnelltest gemacht oder gemeldet habe, bekam ich zur Antwort, der Schnelltest müsse vom Patienten getragen werden und die Klientel am Ort sei nicht bereit, dies zu tun. Da man sich mit seinen Patienten nicht über monetäre Angelegenheiten streiten wolle, habe man die Patientin zu uns geschickt.

Nach Auskunft der Bürgerhotline werden die jeweiligen Tests – sofern medizinisch notwendig – durch die Krankenkassen getragen (bei Privatversicherten abhängig vom Vertrag).

Wie immer werden wir uns nicht mit der Hand streiten, die uns füttert (und ein Krankenhaus lebt ja von den Einweisungen der Niedergelassenen), aber unsauber ist das Weiterreichgebaren dennoch.

Schlechte Gründe, einen Patienten in die Notaufnahme oder Innere Abteilung zu schicken

…sind zum Beispiel

  • Struma „zur OP“: Internisten operieren keine Struma! Zweckdienlich ist eine Terminvereinbarung mit einer entsprechenden chirurgischen Abteilung
  • Influenza-Schnellteste bezahlen wir doch nicht extra! – Wir auch nicht mehr! Man kann Verantwortung und Kosten ja weiterreichen, aber am Ende zahlen wir damit alle drauf! Wir schicken jetzt Material zur PCR (DNA-Nachweis) an das RKI (weil Schnellteste häufig falsch negativ sind)
  • V.a. Autoimmunerkrankung: hat in einer Gastroenterologie nur sehr wenig verloren (und ja, Menschen in ihren 20ern dürfen auch ambulant koloskopiert werden um eine chronisch entzündliche Darmerkankung nachzuweisen o. auszuschließen), wir betrachten es auch als durchaus ungezogen, sich anschließend darüber zu beschweren, daß die Abteilung dem Einweisungswunsch nicht entsprochen hat, sondern dem Patienten einen unmittelbaren Termin in der Rheumasprechstunde verschafft hat
  • V.a. Schlaganfall: gehört in eine Neurologie! (und nicht in ein Krankenhaus, das keine hat!)
  • V.a. intracerebrale Blutung: gehört am besten in ein Haus, das sowohl Neurologie wie auch Neurochirurgie sein eigen nennt!